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Versuchsfahrer Bernhard Weber steigt wieder in den Gelb-Schwarzen Renner

Bernhard Weber dreht gern mal durch. Vorzugsweise mit den Antriebsrädern, beim schnellen Wechsel von Kupplung, Gas und  – selten – Bremse. Dann krachen die Kiesel in des Käfers dicken Backen, die das grobstollige Pirelli Cinturato-Profil erst gierig auffrisst und dann NullNull-Schrot-mäßig wieder ausspeit. Der Boxer im Heck blafft dazu, als hätte Weber gerade einem Pitbull ohne Maulkorb mit exakt berechnetem Druck auf die Vorderpfote getreten.

Jetzt erscheint eine Reihe weißer Zähne unter Webers Sonnenbrille, die mit dem polierten Sturzhelm auf seinem Kopf um die Wette spiegelt: "Jaaah! Der geht!" Griff zum extra kurzen Schalthebel, runter in den Zweiten, schnalzend pumpt die im Stakkato bediente Pedalerie des Sport-Käfers Adrenalin in die Venen und feinstes Super Plus in den Vergaser. "Beim Gas wegnehmen rissen uns oft die Antriebswellen ab!", brüllt Weber gegen die hinter uns gegeneinander boxenden 50 PS an – aus immerhin 1,6 Litern Hubraum. Wie? Mit DEM Serienaggregat hier? "Nee", antwortet die Zahnleiste, um die Charlton Heston ihn beneidet hätte, "meistens die aus den 1303 S-Versuchsträgern mit 200 PS!" Kupplung, dritter Gang, Feuer. "Dank der vorhandenen Kraft kann – zumindest in den beiden unteren Gängen – das Heck zum Ausschwenken bewegt werden", kann das lapidare Zitat aus einem ersten Fahrbericht des 1303 S-Sondermodells von 1973 noch eben schnell durchs Hirn quer beschleunigen, dann wird einem gelb-schwarz vor Augen. Alles so schön bunt hier.

Gelb-Schwarz vor Augen:

Bernhard Weber fährt mit dem Gelb-Schwarzen Renner in die Vergangenheit. "Anhalten, Klarkommen, Kaffee, Currywurst - und wieder hoch in die Kurve. Dann ging's."

 

Weber, nach dem die gleichnamigen Doppelvergaser zu aller Verwunderung nicht benannt sind, hat sie alle gehabt. Jedenfalls die, die ihm zu seiner aktiven Zeit als Volkswagen Versuchsfahrer unters Lenkrad kamen: VW 1500, 411, K 70, Scirocco TS, Golf I GTI und eben auch den Käfer 1303 S in Kriegsbemalung, dem er jetzt nach 40 Jahren erneut entsteigt, offiziell genannt "Gelb-Schwarzer Renner", kurz GSR. Mattschwarz und Saturngelb waren seine Farben, und so, als käme er tatsächlich von einem anderen Stern, debattierten Teile der Öffentlichkeit – Bundestag inklusive – erregt über diesen potenziellen Krawallo-Käfer vom beschaulich schwappenden Mittellandkanal. Ob denn die Vertreter des Bundes im Vorstand des Volkswagenwerkes darauf hinwirken könnten, dass der Hersteller darauf verzichte, mit Produktvariationen und Werbung auf den Markt zu gehen, die den Käufer dazu anhalten, die Straße und sein Auto als Rennpiste und Rennwagen zu sehen, wollte der Bundestagsabgeordnete Helmut Lenders in einer Fragestunde des Hohen Hauses wissen. Und ob man die Autohersteller allgemein nicht für eine Art der freiwilligen Selbstkontrolle von solcherlei Werbemethoden gewinnen könne? Da gäbe es bereits ausgezeichnete Initiativen im positiven Sinne, erläuterte der zuständige Parlamentarische Staatssekretär Ernst Haar, stellte jedoch klar: "Ich kann die Aussicht, dass die beanstandeten Automobilwerbungen durch gesetzliche Vorschriften eingeschränkt werden könnten, nur sehr vorsichtig beurteilen." Wohl zu populär war der Gaudi des schneller "gemachten" Autos im Volk.