Wenn im Schwarzwald der
Karmann Ghia leuchtend schnurrt


Baiersbronn Classic: Team Pawelzik/Meyering beim Volkswagen Classic Eventcheck 2015

Knapp 500 Kilometer auf Genuss-Tour durch den Schwarzwald in einem Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Coupé im Topzustand – was will man mehr? Eigentlich nicht viel. Außer drei Tage echten Rallye-Spaß. Und vielleicht noch gutes Wetter und eine passable Platzierung.

 

Für das Team, das Volkswagen Classic im 1974er Karmann Ghia bei der Baiersbronn Classic 2015 zum Eventcheck an den Start schickte, dürfte sich fast alles erfüllt haben. Der persönliche Teambericht von Georg Meyering und Karl-Heinz Pawelzik von den Oldtimerfreunden Münster & Münsterland e.V. lässt dies zumindest stark vermuten

 
Mit dem Karmann Ghia Typ 14 bei der Baiersbronn Classic

Ganz easy, unsere Anreise – mit dem Zug in den Schwarzwald, eher regelwidrig für überzeugte Automobilisten. Unterwegs legen wir bereits die Aufgabenverteilung im Cockpit fest. Und je näher das Ziel kommt, desto mehr Vorfreude stellt sich ein – aus uns beiden "60+"ern werden wieder die autobegeisterten Jungs der Schulzeit. 

 

Morgens kommt er aus Wolfsburg, "unser" Karmann Ghia Typ 14 in Signalorange von Volkswagen Classic – von aufgehender Sonne angestrahlt. 60 Jahre nach seiner Markteinführung und 41 Jahre nach seinem Produktionsende zeigt sich schnell: Die Ikone Karmann Ghia wird auch heute noch erkannt, ja geliebt, wie eine zufällig vorbeikommende Touristengruppe überschwänglich zeigt. 

 

Nun sitzen wir also drin – und sind respektvoll, beinahe ehrfürchtig im Umgang mit dem Klassiker. Auf zum Rosenplatz nach Baiersbronn, dort administrative und technische Abnahme. Alles klar. Unsere Startnummer 125 wird aufgeklebt. Es kann losgehen.

 

Und gleich wird es ernst: Rallye-Lehrgang in Theorie und Praxis steht an. Na ja, "Chinesenzeichen" im Roadbook sind uns nicht unbekannt, aber Durchfahrtskontrolle, Zeitkontrolle, Wertungsprüfungen und Schnitt-Tabelle, das sind schon verzwickte Herausforderungen, die noch dazu in einem kleinen Test münden. Bloß nicht vor lauter erwachendem Ehrgeiz das Leitthema der Baiersbronn Classic vergessen: "Schwarzwald-Rallye für Genießer". Beim Blockhüttenabend dann tolle Stimmung, intensive Benzingespräche und ein sinniger Trostpreis für unseren (immerhin!) vorletzten Preis beim Test.

 

Der Sound der Kindheit mit Oldtimerfreund Petrus

Auf geht's zum Prolog bei strahlender Sonne. Beim Teilnehmerbriefing sind wir sind auf- und angeregt, freuen uns einfach. Dann endlich der Start. Der Schwarzwald zeigt seine schönsten Seiten, die Sonne strahlt mit uns um die Wette. Wir lernen das Autofahren wieder neu in seiner schönsten, seiner ursprünglichsten Form: Keine Servolenkung, kein Bremskraftverstärker, schon gar nicht ABS, ESP oder andere Elektronik. Stattdessen beim Karmann Ghia muntere 50 PS, das (vom Käfer her) von Kind an vertraute, verlässliche Geräusch des vernehmlich bullernden Boxermotors im Heck mit seiner charakteristischen Luftkühlung. Steig- und Gefällestrecken im dritten und zweiten, wenn nicht gar im ersten Gang – da reicht kein noch so attraktiver Neuwagen heran.

Baiersbronn Classic: im Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 von 1974 durch den Schwarzwald

 

 

Am nächsten Tag zeigt sich: Petrus ist Oldtimerfreund. Strahlende Sonne! Die Ortenau-Runde ist wahrlich eine reizvolle Strecke durch imposante Landschaft mit sportlichen Herausforderungen – wow! Zu dritt – der Karmann Ghia drehfreudig und fein am Gas, wir haben das Lenkrad fest in den Händen und das Roadbook konzentriert im Blick – schnurren wir zufrieden und freuen uns über das freundlich winkende Publikum am Straßenrand. Unser Gefährt ist dank charakteristischer Form und auffälliger Farbe ein echter Sympathieträger. Wir schaffen sogar die Prüfungen – nicht in Bestzeit, klar. Aber bitte: Kein falscher Ehrgeiz, dabei sein ist halt alles ... !

 

Königliche Huldigung und Applaus

In der Wohlfühlatmosphäre von Schloss Staufenberg wirft auch die lokale Weinkönigin einen huldvollen Blick auf unseren Klassiker. In unserer Pause zeigt sich in der Ferne bei klarer Sicht das Straßburger Münster – und alle Teilnehmer sind hingerissen. Das größte Highlight der Baiersbronn Classic erwartet uns am letzten Tag: Frühmorgens schon Fahrzeugpräsentation und Startaufstellung wie beim historischen Ruhestein-Bergrennen 1946 – ein faszinierendes Kaleidoskop von mehr als 100 Jahren Automobilgeschichte. Unser Karmann Ghia freut sich über viele luftgekühlte Verwandte wie Käfer, Käfer Cabrio, Bulli und auch Porsche 356, 911 und 912. Riesiger Andrang eines enthusiastischen Publikums. 

 

Los geht's: Sonderprüfung auf der gesperrten Ruhesteinstraße, wir kommen ins Schwitzen, der Luftgekühlte nicht. So schön ist die Landschaft, dass der Co-Pilot eine Abzweigung übersieht: Strafpunkte, ja - aber dafür ein hübscher Abstecher. Nach einer Mittags-Mußestunde im Kloster Alpirsbach geht es zwei Runden über einen besonderen Parcours, den oberen Markplatz in Freudenstadt. Wir drei wollen hier gar nicht die Schnellsten sein und genießen vielmehr den Applaus der Zuschauermenge. Schließlich erreichen wir unser Ausgangsziel: Baiersbronn. Zieldurchfahrt, Begrüßung durch den Bürgermeister, das Veranstalterteam, Glückwünsche, Begeisterung auf allen Seiten – einfach nur schön! Auch der Karmann strahlt irgendwie …

 

Beim Abschlussabend in der Schwarzwaldhalle genießen wir das imposante Galadinner der Baiersbronner Sterneköche und die musikalischen Einlagen von Teilnehmer Peter Kraus (ja, auch "Sugar Baby" im Schwarzwald). Als abendlicher Höhepunkt dann die Siegerehrung.

 

Wir gehören zwar nicht zu den Bestplatzierten, aber auf jeden Fall zu denen, die die Baiersbronn Classic genossen haben – dank der Top-Organisation, dank Volkswagen Classic und "unserem" Karmann Ghia. So gesehen fühlen wir uns allemal als Sieger!
 
3. Baiersbronn Classic
24. bis 27. September 2015, Baiersbronn
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