Headlinebild

Die stärkste Serienversion des New Beetle: der RSi

Detroit 1999 – ein Jahr nach dem Verkaufstart des New Beetle zog Volkswagen erneut das Tuch von der runden Dachhaut und präsentierte eine waschechte Sportwagenstudie, die es ab 2001 als New Beetle RSi mit Straßenzulassung zu erwerben gab.

Freundlich lächelt der RSi in die Welt, doch sein Grinsen ist breiter als das seiner bürgerlichen Seriengeschwister. Zu Recht schließlich hat es der RSi faustdick unter der Haube. Um die Motorkraft des V6-Zylinders auf die Straße zu bringen, verpassten ihm die Techniker von Volkswagen Racing ein breites 18-Zoll-Allradfahrwerk und beatmeten den Kraftprotz über die großen Lüftungsgitter in der Frontschürze. Für Bodenhaftung bei hohem Tempo sorgen ein imposanter Flügel auf der Heckklappe und der Dachspoiler. Mit seinen breiten Kotflügeln und dem kräftigen, bis in die Türen hineingezogenen Schwellern verdeutlicht der New Beetle RSi seine sportlichen Ambitionen bereits äußerlich.

Die wahrscheinlich schnellste Kugel der Welt: Der New Beetle RSi

Die inneren Werte zeigen sich im Cockpit von ihrer schönsten Seite. Aus massivem Aluminium gefräste Griffe, Fensterkurbeln, Schalthebel und Bedienelemente, Türverkleidungen aus Carbon, der Dachhimmel in Alcantara: So edel kam noch kein Käfer ab Werk zum Kunden. Auffälligste Innerei ist das mit Leder in „Tropic-Orange" bezogene Gestühl des 2+2-Sitzers. Die vorderen Sitzschalen aus Carbon und GFK mit integrierter Kopfstütze sollen die Passagiere gegen die Fliehkraft in Position klammern. Um auf die hinteren Plätze zu klettern, müssen die vorderen Sitze wenig praktisch nach vorne geschoben werden – zugegeben: Das gelingt zivilen Autos alltagsfreundlicher.

Alltag und Alltagstauglichkeit standen jedoch nicht im Lastenheft des RSi, hier war Motorsport gefragt. Im Zentrum der Versportlichung stand der Motor: Der als kräftiger, aber geschmeidiger Luxus-Antrieb bekannte 2,8-Liter-VR6 aus Golf und Passat wurde über einen längeren Kolbenhub und aufgebohrte Zylinder auf 3,2 Liter vergrößert. Dreht sich die Kurbelwelle des Vierventilers 6.200 Mal in der Minute, verteilt die Haldex-Kupplung 225 PS auf alle vier Räder und katapultiert den RSi in 6,4 Sekunden auf 100 km/h. Wer auf dem Gaspedal bleibt, erreicht satte 225 km/h.

Nur zu gerne zeigt der über den Durst motorisierte RSi, was er mit Benzin anzufangen weiß. Ein zarter Tritt ins Gaspedal, und dem Auspuff entfährt ein heißer, sonorer Sound. Jetzt die Kupplung kommen lassen: Der Kugelblitz stürmt los und zeigt, wofür er gebaut ist. Präzise folgt der RSi jedem Pilotenbefehl. Wer den Dioden der Schaltpunktanzeige Folge leistet, herrscht über Leistung und Drehmoment im Überfluss. Das Fahrwerk presst die Reifen auf die Straße und gibt ungefilterte Rückmeldung über den Fahrbahnzustand. Ein konsequent sportliches Auto.

Der New Beetle RSi ist streng limitiert: 250 Limousinen und lediglich zwei Cabriolets werden gebaut – eines der Cabriolets ist im Besitz von Volkswagen Classic. Heute einen RSi zu finden und zu erwerben, ist ein schwieriges Vorhaben. Einen zu fahren bleibt ein exklusives Vergnügen. Ihre Besitzer genießen es – und reden sich untereinander mit der Fertigungsnummer ihres Renners an.