1961
| Benzinpreis: 0,58 DM | ||
| Dieselpreis: 0,55 DM | ||
| Superpreis: 0,65 DM | ||
1. Juni 1961 Die Schering AG bringt mit „Anovlar" die erste Antibaby-Pille in Deutschland auf den Markt. Da das Verhütungsmittel moralisch stark umstritten ist und insbesondere von der römisch-katholischen Kirche strikt abgelehnt wird, deklariert Schering die Pille anfangs als „Mittel zur Behebung von Menstruationsstörungen". Anovlar soll zunächst auch nur verheirateten Frauen verschrieben werden.
Trotz dieser vorsichtigen Markteinführung kann sich die „Pille" schnell durchsetzten, denn für 8,50 DM haben Frauen nun erstmals die Möglichkeit, Einfluss auf die Familienplanung zu nehmen – und damit sexuell freier agieren zu können. | |
1970: | Was gab es sonst noch Neues? |
Typ 3 1500/1600 Limousine/Variant/TL
Werkscode: Typ 31 Stufenheck-Limousine, Schrägheck-Limousine (TL), Variant
Im August 1961 hält die deutsche Bevölkerung den Atem an: Als zweite Baureihe neben dem Käfer wird auf der IAA in Frankfurt der Typ 3 präsentiert, eine Mittelklasselimousine, die vor allem den aufstiegswilligen Käfer Fahrern eine neue Heimat bieten will. Eine weitgehende Neukonstruktion, die zwar auf der konzeptionellen Basis des Käfers aufbaut, aber vieles besser machen soll.
Optisch gelingt ein dezenter, fast schlichter Auftritt, gemäß dem adenauerschen Nachkriegscredo: „keine Experimente". Das einzige Wagnis: Neben der Limousine steht ein viersitziges Cabriolet, fast serienreif entwickelt, das aber dann in letzter Minute wieder zurückgezogen wird.
Es gibt erstmals zwei richtige Kofferräume (vorne 180, hinten 200 Liter). Das Leergewicht beträgt 860 Kilogramm, der Radstand wieder 240 Zentimeter. Vieles wird weiterentwickelt: Für die Unterflurbauweise müssen Lichtmaschine und Vergaserbetätigung umkonstruiert und das hochbauende Gebläse auf Kurbelwellenniveau platziert werden.
Niederlassungen und Kunden werden finanziell geschont: Ein Satz Sonderwerkzeuge für den Neuzugang 1500 kostet die Werkstätten nur 1.200 DM, und die Halter freuen sich über den VW Service, der mit seinen preiswerten Modulen risikofreies Fahren bei niedrigen Unterhaltskosten verspricht.
Typ 3 1500/1600 Limousine/Variant/TL
Werkscode: Typ 31 Stufenheck-Limousine, Schrägheck-Limousine (TL), Variant
| Modellvarianten / Bauzeit: | Stufenheck:# 1500/1500 N/A: 1961 – 1966 # 1500 S: 1963 – 1965 # 1600 A/L + 1600 LE: 1966 – 1973# Schrägheck:# 1600 TL: 1965 – 1973# Variant:# 1500 + 1500 N + 1500 S: 1962 – 1965 # 1600 A/1600 L: 1965 – 1973 # | |
| Motor: | Vierzylinder, luftgekühlt | |
| Einbaulage Motor: | Heck, längs | |
| Antrieb: | Heck | |
| Radstand: | 2.400 | |
| Länge / Breite / Höhe (mm): | Stufenheck bis 1969: 4.225 / 1.605 / 1.475# Ab 1969: 4.340 / 1.640 / 1.470# TL: 4.225 / 1.640 / 1.475# Variant 1500 / 1500 N / S / 1600 L / LE bis 1969: 4.225 / 1.605 / 1.465# Variant 1600 L / LE 1969 – 1973: 4.340 / 1.640 / 1.470 # |
Motorversionen
| Typ: | 1500 + 1500 A | |
| Hubraum (cm3): | 1.493 | |
| Leistung (kW / PS - bei min-1): | 33 / 45 / 3.800 | |
| max. Drehmoment (Nm - bei min-1): | 106 / 2.000 | |
| Typ: | 1500 S | |
| Hubraum (cm3): | 1.493 | |
| Leistung (kW / PS - bei min-1): | 40 / 54 / 4.200 | |
| max. Drehmoment (Nm - bei min-1): | 106 / 2.000 | |
| Typ: | 1600 L + 1600 LE (ab 1968) | |
| Hubraum (cm3): | 1.584 | |
| Leistung (kW / PS - bei min-1): | 40 / 54 / 4.000 | |
| max. Drehmoment (Nm - bei min-1): | 110 / 2.200 |
Typ 3 1500/1600 Limousine/Variant/TL
Werkscode: Typ 31 Stufenheck-Limousine, Schrägheck-Limousine (TL), Variant
| Auswahl aller Maßnahmen zur Modellpflege: | ||
| 1962: Da die Limousine mit ihren geteilten Kofferräumen relativ wenig Stauraum bietet, kommt die ersehnte Kombi-Variante des Typ 3 im ausgehenden Winter 1962 genau richtig: Erstmals steht bei Volkswagen ein Variant in der Preisliste – eine Bezeichnung, die bis heute für ein großzügiges Raumangebot steht.
Bei einem Laderaum von bis zu 1.200 Liter kann im Variant bequem all das verstaut werden, was die Limousine vorher stehen lassen musste. Es gibt zwei Nutzlastvarianten mit 375 und 460 Kilogramm. Die 460 Kilogramm-Nutzlastvariante verfügt über eine Ausgleichsfeder, die einen Drehstab verspannt, der dann unter zunehmender Last mit entsprechender Torsion reagiert. Das neue Kombi-Konzept kommt an: Der Variant entwickelt sich in manchen Jahren zur meistgebauten Version der Typ-3-Baureihe. | Der erste Variant in der Modellgeschichte von Volkswagen wird vom Start weg zum großen Erfolg. | |
| 1963: In diesem Jahr wird der VW 1500 S (Spezial) vorgestellt. Mit zwei Vergasern statt bisher nur einem steigt die Leistung des 1,5-Liter-Boxers beim Modell 1500 S auf 54 PS. Wolfsburgs stärkstes, schnellstes und teuerstes Modell ist vom Start weg außerordentlich begehrt: Seine Beschleunigung im dritten Gang ist ausgesprochen sportlich, die offizielle Höchstgeschwindigkeit liegt bei 135 km/h - diese lässt sich aber durch Windschattenfahren oder bergab deutlich übertreffen. Die vielgelobte turbinenartige Drehfähigkeit hat jedoch auch eine Kehrseite: Auf ständiges Aus- und Überdrehen reagiert der Motor bisweilen kritisch. | ||
| 1964: Das Wartungsintervall wird auf 10.000 Kilometer verlängert, zudem werden Maßnahmen zur Verbesserung der Motor-Lebensdauer in die Serie übernommen. Die Werkstätten müssen nun häufiger zu ihrem Spezialwerkzeug für die Einstellung der Zweivergaseranlage der S-Variante greifen: Einregulierung und Synchronisation sind erheblich aufwändiger als die entsprechenden Handgriffe bei der unverändert lieferbaren N-Version.
1964 werden 122.000 Fahrzeuge vom Typ 3 verkauft. | ||
| 1965: Das Modell 1500 S wird durch den 1600 L ersetzt, dessen 1,6-Liter-Motor zwar die gleiche Leistung bietet (54 PS), durch die Hubraumvergrößerung jedoch weniger belastet ist: Normalbenzin ist jetzt ausreichend. An der Vorderachse arbeiten nun Scheibenbremsen.
Als weitere Karosserievariante ist nun eine Schrägheck-Variante erhältlich: der 1600 TL („Touren-Limousine"). Die fast schon coupéartig wirkende Karosserie ist zunächst als Ersatz für die Stufenhecklimousine gedacht, wird aber von Käufern und Presse eher verhalten aufgenommen. Der Zugang zum 250 Liter fassenden Kofferraum durch die kleine Klappe – die Heckscheibe ist fest eingebaut – wird als nicht ideal empfunden. Die Erwartungen sind Mitte der 60er Jahre im Konkurrenzumfeld eher auf eine Schräghecklimousine mit großer Heckklappe gerichtet. Im Gegensatz zu Stufenhecklimousine und Variant gibt es den TL nur mit dem kleineren 1,6-Liter-Boxer. | Eigentlich als Nachfolger der Stufenheck-Limousine geplant, aber als dritte Karosserievariante bis zum Schluss im Programm: Der 1600 TL mit Fließheck. | |
| 1966: Das Einschlüsselsystem wird eingeführt. Das Bordnetz hat jetzt 12 Volt, was eine große Verbesserung bedeutet, da keine Kriechströme mehr entstehen können. | ||
| 1967: Neu sind die Zweikreis-Bremsanlage, die außen liegende Tankklappe und das optionale Automatikgetriebe. Ab diesem Baujahr ist eine Vollautomatik lieferbar, wie beim Typ 1 in Verbindung mit der Doppelgelenkachse. Die Kopfstützen werden in die vorderen Sitzlehnen integriert, der Kraftstoffstutzen wird ins rechte Seitenteil verlegt. | ||
| 1968: Bei allen Varianten ersetzt jetzt eine Schräglenker-Konstruktion die hintere Pendelachse. Damit avanciert der Typ 3 zu einem der bestliegenden Fahrzeuge der europäischen Mittelklasse, was das unkritische Durchfahren von Kurven betrifft. Nur beim Variant mit der erhöhten Nutzlast staunt man noch über das Eigenleben einer Pendelachse.
Eine interessante Option in diesem Modellzyklus: Der Volkswagen ist unter der Bezeichnung 1600 LE/TLE mit einer elektronischen Benzineinspritzung lieferbar, die es schon seit einem Jahr für den amerikanischen Markt gibt. Zu dieser Zeit geht es bei dieser Art der Gemischaufbereitung um die Verringerung der Schadstoffe, da bei der Entwicklung neue Vorschriften in Kalifornien berücksichtigt werden . Die Kennziffern für Leistung und Verbrauch bleiben gleich. | ||
| 1969: Der Typ 3 wird noch einmal umgestaltet: Im Hinblick auf amerikanische Normen wird die Front um zwölf Zentimeter verlängert, die Stoßfänger (wie beim Käfer „Eisenbahnschienen" genannt) werden verstärkt und höhergelegt. Die Haubendeckel vorn und hinten müssen angepasst werden, dadurch erhöht sich auch das Kofferraumvolumen. Die Rückleuchten werden vergrößert. Der Volkswagen 1600 hat auf Grund der Karosserie- und Bodenänderungen ein verbessertes Crashverhalten. | ||
| 1970: Im 1600 TL wird die Ablage hinter dem Rücksitz geändert, dadurch wird der Stauraum um fast 60 Liter größer. Die L-Modelle erhalten ein Frischluftgebläse sowie Rückfahrscheinwerfer. | ||
| 1971: Das Vierspeichen-Lenkrad ist jetzt gepolstert, es gibt jetzt einen Lenkstockhebel zur besseren Bedienbarkeit von Scheibenwischer und -wascher sowie einen Zentralstecker für die Computerdiagnose im Motorraum. | ||
| 1972: Eine Weiterentwicklung, die bis zum heutigen Tag Gültigkeit hat: Statt der seitlichen Parkleuchten wird eine neuartige Parklichtschaltung eingebaut. Über den Lichtschalter sind vorderes Standlicht und Schlusslicht einseitig wählbar. | ||
| 1973: Im Juli wird die Produktion des Typ 3 eingestellt. Insgesamt wurden über 1,4 Millionen Limousinen und 1,2 Millionen Variant-Modelle hergestellt. Vor 40 Jahren war es nur Volkswagen möglich, einen so hohen Kombianteil an der Gesamtproduktion zu realisieren – heute ist dies bei Fahrzeugen der Mittelklasse in Deutschland durchaus nicht ungewöhnlich. | Der Variant erreicht mit annähernd 50 Prozent einen unerwartet hohen Anteil an der Produktion. |


