Restauration statt Rostbehandlung

Ein Community-Mitglied und sein Derby I von 1977

Traurig und verlassen stand er auf der Wiese: ein Derby aus dem Jahre 1977. Kurz gezögert und überlegt, und dann war es klar – gekauft! Und nun? Low Budget, also etwas Rost behandeln, etwas Lack drauf und als Spaßgefährt nutzen – so war die Überlegung. Doch es kam, wie so oft im Leben, anders als man denkt. Erst einmal angefangen, kam einiges zusammen: Hier ein wenig Rost gekratzt, dort etwas gestochert ... und schon war der Derby vollständig zerpflückt. 

 

Dann wanderte er auch schon schnurstracks in die Strahlkabine, wo er sandgestrahlt wurde. Dabei kamen prompt einige derbe Roststellen zutage, die dann herausgetrennt und mit neuen Blechen repariert werden mussten. Und so ging es weiter: Neue Radläufe, neue Kotflügel. Der Motorraum wurde "gesäubert", Löcher verschlossen, die Batterie kam in den Kofferraum. Die Fahrgestellnummer wanderte unter den strengen Augen des TÜV auf den Schlossträger. Im Motorraum sollte wieder ein passendes, aber kraftvolleres Herz schlagen. Also nicht mehr nur 50 PS sondern schon etwas mehr: 1,3-Liter-Schlepphebelmotor vom Polo II GT von 1983 mit einem 40er-Webervergaser, Trichter, Nockenwelle usw. Um die neue und stärkere Leistung vernünftig zu bewegen, aber auch wieder zu zügeln, baute ich ein Gewinde-Fahrwerk ein, dazu dreiteilige BBS RS-Felgen, an der Vorderachse die Bremsen vom G40 nebst passendem verchromten Bremskraftverstärker und an der Hinterachse Scheibenbremsen vom Golf II GTI mit Druckreglern vom Scirocco I. Alles vom Teilemarkt, dank Volkwagen Classic Parts waren aber auch neue und seltene Teile dabei. Einige der Motor- und Bremsenbauteile habe ich aufwendig geschliffen, poliert und danach verchromen lassen.

 

Dann der Lack: Keine Experimente, das war klar. Das originale Dakotabeige kam wieder drauf, aber nun in zwei Schichten, somit wirkt es noch "cremiger". Die Innenausstattung sollte original sein. Zu meiner großen Freude war die Rückbank nicht ausgeblichen. Der Vorbesitzer, ein älterer Herr, hatte sage und schreibe drei Sitzbezüge über den Originalsitzen. Nur etwas reinigen, die vorderen Sitze aufpolstern, und ich habe über beide Ohren gegrinst – die Ausstattung war wie neu! Das Armaturenbrett bereitete ich auf und ein Bekannter fertigte aus Echtholz die Einlage. Einen Tacho mit Drehzahlmesser dazu und ein 34er Holzlenkrad nebst Wolfsburg-Hupenknopf. Für den Kofferraum fertigte ich einen Holzboden, in der Reserveradmulde befindet sich nun eine starke Gel-Batterie. Darüber ist ein brauner Sisalteppich verlegt, braun eingekettelt, genau wie die eigens angefertigten Fußmatten im Fahrgastraum. 

 

Da man so ein Projekt nicht zu 100 Prozent alleine machen kann, bin ich allen herzlich dankbar, die mir so tatkräftig geholfen haben. Wie er nun im neuen Glanz da steht! Tja, es dauerte zwar etwas länger und wurde auch etwas teurer als gedacht, aber jede Minute und jeder Cent haben sich gelohnt! – Diesen Youngtimer zu fahren lohnt sich und macht richtig Spaß!