Es war Anfang der Siebziger. Ich war etwa zehn Jahre alt, als mir im Straßenverkehr immer wieder ein Auto auffiel, dessen Design mich faszinierte: Jedes Mal, wenn ich einen K 70 zu sehen bekam, drehte ich mich danach um, parkende K 70 wurden rundum bewundert. Ich hatte mein Traumauto gefunden. So hatte ich mich immer wieder mit meinem klapprigen Fahrrad auf den Weg in die Stadt gemacht, um dort alle K 70 zu fotografieren, die mir vor die Linse kamen. Die Gelegenheit, einmal auch in einem K 70 zu sitzen, gab es allerdings nicht. Und einfach zum Probesitzen zu einem Händler zu gehen, hätte ich mich nicht getraut.
Anfang 1975 nahte dann das Produktionsende des K 70. Ich weiß heute noch ganz genau, wo der letzte K 70 bei unserem Volkswagen Händler im Schauraum stand – in leuchtendem Gelb. Monatelang habe ich ihn regelmäßig besucht und mir die Nase an der Schaufensterscheibe platt gedrückt. Aber irgendwann musste dieser Tag kommen: Mein heiß geliebter K 70 war nicht mehr da. Es gab dann noch eine Fahrschule, die drei K 70 in ihrem Fuhrpark hatte. Aber bis 1979, als ich soweit war, den Führerschein zu machen, waren die K 70 längst durch den Golf ersetzt worden. Als Fahranfänger hätte ich mir ein so großes Auto auch nicht zugetraut – und so blieb der K 70 (vorerst) weiter nur mein Traumauto. Während meiner jugendlichen Sturm- und Drangzeit waren die Prioritäten dann anders gesetzt. Dennoch: Der Traum vom K 70 lebte in Form von Modellautos in meinem Schrank weiter. Im Straßenbild dagegen wurde der K 70 immer seltener, bis er irgendwann verschwand.
1995 erfuhr ich zufällig, dass Volkswagen das 25-jährige Bestehen des Werkes Salzgitter mit einem großen K 70-Treffen feiern wollte. Da musste ich hin! Die vielen hundert Kilometer lohnten sich: Rund 60 K 70 auf einmal, nachdem ich doch seit Jahren keinen einzigen mehr auf der Straße zu sehen bekommen hatte. Es war atemberaubend, Gänsehaut-Feeling inklusive.
Um dem K 70 dann aber wenigstens ein bisschen näher zu sein, wurde ich Mitglied im 1. Internationalen K 70-Club. Beim Jahrestreffen 2006 war ich dann mit meiner Frau und meinem Sohn dabei, und wir waren begeistert. Wir wurden aufgenommen wie in einer großen Familie. Ein Club-Mitglied hatte sogar den Mut, mich mit seinem K 70 selbst fahren zu lassen – das erste Mal in meinem Leben durfte ich das genießen! Das Treffen war ein tolles Erlebnis mit dem Effekt, dass seither auch mein Sohn mit dem „K 70-Virus" infiziert ist und meine alte Liebe zum K 70 wieder so richtig aufflammte.
Als mir dann mein Schwiegervater technische Unterstützung anbot, stand der Entschluss fest: Jetzt oder nie! Wir durchforsteten das Internet, und an einem Samstagabend machte sich plötzlich Nervosität breit: Ein K 70 LS wurde nur rund 100 Kilometer entfernt angeboten. Es folgte der längste Sonntag meines Lebens, bis ich den Händler am Montag in der Früh erreichen konnte. Sofort hingefahren und dann stand er vor mir: (m)ein roter K 70 LS! Mein Puls beschleunigte sich. Angeschaut – Probe gefahren – mitgenommen! Mein lang ersehnter Traum wurde am 31. Oktober 2006 nach 35 Jahren endlich wahr: Ich hatte meinen eigenen, fahrbereiten K 70. Seitdem besuche ich mit meiner Familie regelmäßig Oldtimer-Treffen – und wir freuen uns über die vielen positiven Erlebnisse mit und rund um unseren K 70.


