Aufbruch in die
Business-Klasse

Dieser Typ ist nicht von gestern: 20 Jahre Passat B5

Es gibt Typen, die werden einfach nicht älter. Zumindest, was die Optik betrifft. Während man beim Menschen oft von "guten Genen" als Grund für eine scheinbar ewige Jugend spricht, gilt beim Auto ein möglichst zeitloses Design als das A und O. So geschehen im Falle des Passat B5 (Typ 3B). Kaum zu glauben, dass die fünfte Generation des Bestsellers in diesem Jahr tatsächlich schon ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Der B5 ist auch heute noch ein alltäglicher Begleiter auf deutschen Straßen – und seine Optik wirkt dabei noch immer so modern, dass sich der Jubilar vor dem automobilen Nachwuchs ganz und gar nicht zu verstecken braucht.

Rückblende ins Jahr 1996: Auf dem Autosalon Paris feierte der brandneue Passat seine Weltpremiere. Die neue Mittelklasse aus Wolfsburg war der Star an der Seine. Die Medienvertreter scharten sich um den Neuling und waren sich einig: Designer Hartmut Warkuß war mit dem B5 ein großer Wurf gelungen. Ein Pressezitat bezeichnete den Passat gar als "bis zur Arroganz schön". Gut, wir wollen hier nicht übertreiben. Fest steht: Die neue Limousine, die gegenüber ihrem Vorgänger um acht Zentimeter in der Länge gewachsen ist, wirkte mit ihrer leicht gebogenen Dachpartie (in Fachkreisen gerne als "Warkuß-Bogen" bezeichnet) sehr eigenständig und modern. Auch der Variant, der 1997 erschien, schmeichelte mit seiner langen, kubisch geformten Heckpartie dem Auge.

 

"Ein modernes, aber kein modisches Design"

Warkuß selbst erinnert sich im Interview mit Volkswagen Classic mit Freude an sein erstes Volkswagen Projekt zurück: "Ich bin sehr stolz darauf, dass wir diesen Wagen damals erschaffen konnten. Er verkörperte ein klares Thema: Sein gespanntes, gebogenes Dach in Verbindung mit dem voluminösen Unterbau, der trotzdem Spannung hat – es war ein modernes, aber kein modisches Design. Gerade das macht den B5 so zeitlos. Für Volkswagen bedeutete dieser Passat einen großen Schritt nach vorn."

Passat B5 (Typ 3B / BG): Die fünfte Generation setzte neue Maßstäbe

 

Den machte der Passat auch in Punkto Technik: Anders als im Vorgänger Passat B4 kam beim neuen Modell eine Plattform zum Einsatz, die auch für den Audi A4 verwendet wurde. Synergieeffekte schaffen und nutzen hieß die Strategie, auf die der damalige Volkswagen Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch setzte. Der Vorteil lag auf der Hand: Die PL45-Plattform ermöglichte den Einbau des besten Fahrwerks, das es in der Historie des Passat bislang gegeben hatte. Vorn wurde die neue, aufwendig konstruierte Vierlenker-Achse für feines Anfedern verbaut, hinten arbeitete eine Verbundlenker-Konstruktion. Für Fahrzeuge mit Allradantrieb kamen die mittels Torsen-Differenzial gesteuerten Systeme 4MOTION (ab 1999, zuvor syncro) bzw. quattro bei Audi zum Einsatz.

 

Breit gefächertes Motorenspektrum zum Marktstart

Dieser Schritt bedeutete auch, dass der B5 wie sein Konzernbruder mit den vier Ringen im Grill mit längs eingebauten Motoren bestückt wurde. Zum Marktstart 1996 umfasste das Angebot sechs Aggregate. Los ging es mit dem kleinen 1,6-Liter-Sauger, der 100 PS mobilisierte. Die stärkeren Otto-Vierzylinder hatten 1,8 Liter Hubraum und leisteten 125 bzw. 150 PS (mit Turbo). Ein Novum war der neue 2,3-Liter-V5, der seine Fahrer mit souveräner Kraftentfaltung und tollem Sound verwöhnte. Als Topmotorisierung kam ab 1997 der 193 PS starke 2,8-Liter-V6 zum Einsatz, der nur in Verbindung mit Allradantrieb angeboten wurde. Dieselfahrer griffen zum beliebten und bewährten 1.9 TDI, der in zwei Leistungsstufen mit wahlweise 90 oder 110 PS angeboten wurde. 1998 rundete der neu entwickelte, drehmomentstarke 2.5 TDI mit sechs Zylindern und 150 PS die Dieselpalette nach oben ab.

 

Vielfahrer setzen auf den Passat

Mit dem neuen Passat setzte Volkswagen Maßstäbe in Sachen Qualität. Ziel war es, das Fahrzeug in der "Business-Klasse" zu positionieren. Die starken und sparsamen TDI-Motoren machten den Wagen gerade für Vielfahrer sehr interessant. Auch die Ausstattung des Passat war bereits in der Basisvariante mehr als umfangreich: Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn, ein höhen- und längsseitig verstellbares Lenkrad, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel sowie eine Wärmeschutzverglasung waren serienmäßig an Bord. Der Passat "Trendline" bot eine betont sportliche Ausstattung mit Sportsitzen, Lederlenkrad und Aludekor. Die hochwertige "Comfortline"-Version lockte mit edlen Velourssitzen, Mittelarmlehne und Fond-Fensterhebern. Im Topmodell "Highline" sorgten Leder und Alcantara im Innenraum für ein luxuriöses Ambiente. Für Sicherheit an Bord gab es vier Airbags, Gurtstraffer, ABS sowie Scheibenbremsen rundum. Und langlebig war er sowieso: Erstmals in seiner Historie wurde der Passat mit einer vollverzinkten Karosserie ausgeliefert, Volkswagen gab Kunden eine elfjährige Garantie gegen Durchrostung.

 

Große Produktaufwertung mit vielen neuen Technik-Features

Im Zuge der großen Produktaufwertung im Jahr 2000 wurde der Passat optisch und technisch umfassend modernisiert. Auf den ersten Blick erkennbar waren die Klarglasscheinwerfer und die neu gestalteten Rückleuchten. Auch an Teilen der Karosserie wurde behutsam Hand angelegt, was dem Wagen ein noch moderneres und selbstbewussteres Erscheinungsbild verlieh. Die Ausstattung war ebenfalls voll auf Höhe der Zeit: Eine manuelle Klimaanlage war nun in allen Passat 3BG serienmäßig an Bord, zusätzlich ergänzten neue Technik-Features wie ein Navigationssystem mit TMC-Funktion, ein Solarschiebedach und Bi-Xenon-Scheinwerfer die Liste der Optionen. Bei den Dieselmotoren wurde von der Verteilertechnik auf das moderne Pumpe-Düse-Prinzip umgestellt (Ausnahme: V6 TDI).

 

Der W8 ist die Krönung

Im September 2001 kam das neue Topmodell Passat W8 auf den Markt. Es war der erste Achtzylinder der Baureihe. Das kompakte Aggregat in W-Bauweise schöpfte 275 PS aus vier Litern Hubraum und sorgte in Verbindung mit dem 4MOTION-Allradantrieb für souveräne Fahrleistungen in jeder Lage. Dazu produzierte es mithilfe seiner vierflutigen, verchromten Abgasanlage einen Sound mit Gänsehaut-Garantie. Der drei Jahre lang gefertigte W8 war ein faszinierender Exot, der das technisch Machbare in einem Mittelklassefahrzeug eindrucksvoll dokumentiert.

Im Frühjahr 2005 endete die Produktion des Passat B5. In den Werken Zwickau und Emden liefen insgesamt 3.331.320 Exemplare vom Band. Im März 2005 löste der Passat B6 seinen erfolgreichen Vorgänger ab.

Mehr Geschichten finden Sie im Magazin-Special: Der Passat

 

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