Frischer Wind:
aus Jetta wird Vento

Vor 25 Jahren debütiert die Stufenheckversion des Golf III

Als Stufenhecklimousine stand der "Vento" getaufte Jetta II-Nachfolger hierzulande stets ein wenig im Schatten des ewigen Bestsellers Golf. Anders in den USA: Dort entwickelte sich das weiterhin "Jetta" genannte Stauraumwunder für Volkswagen zum erfolgreichsten US-Modell aller Zeiten. Heute ist der Vento auch in Deutschland ein begehrter Klassiker. Aus gutem Grund.

Raider heißt erst seit Kurzem Twix, als Volkswagen im Januar 1992 der Fachpresse den Jetta II-Nachfolger vorstellt, der nun den Namen Vento trägt. Sonst hat sich beim Modellwechsel, der in Deutschland mit der Namensänderung von Jetta zu Vento einhergeht, anders als beim werbewirksam umbenannten Schokoriegel, nicht nichts, sondern gleich eine ganze Menge geändert.

 

Allen voran in Sachen Sicherheit: Airbags werden im Vento getauften Jetta II-Nachfolger erstmals in Serie verbaut – und bewähren sich fortan als Lebensretter. Ab 1996 ist auch das damals noch junge Anti-Blockier-System ABS in allen Vento-Ausstattungslinien serienmäßig an Bord.
 

Mit dem Wind durch ein Vierteljahrhundert: 25-jähriges Jubiliäum des Volkswagen Vento

 

Limousinen-Feeling dank Stufenheck

Einzig an der engen Blutsverwandtschaft mit dem aktuellen Golf – in diesem Falle: dem der dritten Generation – ändert sich mit der Namensänderung nichts. Auch wenn der Vento deutlich länger ist, entspricht er technisch fast 1 : 1 dem im Jahr zuvor vorgestellten Golf III, dessen Stufenheckvariante er auch unter neuem Namen ist. Für standesgemäßes Limousinen-Feeling sorgt seine um 36 Zentimeter verlängerte Stufenheck-Karosserie.

 

Optisch zu unterscheiden ist der Vento von seinem technisch baugleichen Bruder Golf III neben der klassisch klaren Stufenheck-Kante an einem modifizierten Kühlergrill, rechteckigen Frontscheinwerfern und weißen Blinkergläsern vorn. Hinzu kommt eine erweiterte Serienausstattung, die unter anderem 14-Zoll-Räder beinhaltet. Mit der Modellpflege im Jahr 1995 ist die Frontpartie komplett in Wagenfarbe lackiert.

 

Stauraum ohne Ende

Doch der von Zeitgenossen bisweilen umgangssprachlich als "Rucksack-Golf" betitelte Viertürer fährt einen weiteren großen Vorteil mit sich herum, der ihn vor allem in den USA sehr beliebt und dort schließlich zur meistverkauften europäischen Limousine überhaupt macht. Der separat abschließbare, 550 Liter fassende Kofferraum bietet einen in dieser Fahrzeug- und Preisklasse bis heute fast konkurrenzlos großen Stauraum, was den in Amerika weiterhin Jetta genannten Wagen nicht nur bei College-Boys und -Girls sehr beliebt macht. 

 

Die Ottomotoren des Viertürers, der dank 4,38 Meter Außenlänge und seiner durchaus als gehoben zu bezeichnenden Ausstattung ohne Weiteres der unteren Mittelklasse seiner Zeit zuzuordnen ist, decken ein Leistungsspektrum von 55 kW/75 PS bis 128 kW/174 PS ab. Die Motorenpalette umfasst Aggregate zwischen 1,6 und 2,8 Litern Hubraum, wobei die meisten Bestellungen auf die 1,8-Liter-Variante mit 66 kW/90 PS entfallen. Mit einem Preis von 25.960 DM für die Basisausstattung CL ist sie genau zwischen Golf und Passat angesiedelt.

 

 

Sauger- oder Turbo? Drei Diesel auf einen Streich

Die angebotenen 1,9-Liter-Dieselaggregate leisten zwischen 47 kW/64 PS und 81 kW/110 PS. Kuriosum: Während seiner sechs Jahre währenden Bauzeit werden im Vento mit dem Saugdiesel (SDI), dem konventionellen Turbodiesel (TD) und – ab November 1993 – dem Turbo-Direkteinspritzer TDI für dasselbe Modell insgesamt alle drei gebräuchlichen Selbstzünderverfahren parallel nebeneinander angeboten. Das ließ den Kunden nicht nur die Wahl, sondern spiegelt zugleich die Dynamik in der Dieselaggregat-Entwicklung wider, die bei Volkswagen Mitte der 1990er-Jahre herrscht.

 

Konkurrenzlos schmal und leistungsstark: der VR6

Aber auch in der Abteilung "Otto" tut sich einiges: Besonderes Augenmerk auf Benzinerseite verdient der kurz zuvor eingeführte VR6-Motor, an den sich der damalige Volkswagen Vorstandsvorsitzende Carl. H. Hahn voller Wonne wie folgt erinnert: "Der unter Ernst Fiala von Peter Hofbauer entwickelte VR6-Motor ging 1991 im Passat und Golf in Serie. Mit seinem kleinen Zylinderwinkel von 15 Grad baut er quasi als Reihenmotor unschlagbar kurz, als V-Motor konkurrenzlos schmal", schwärmt Ex-Konzernchef Hahn noch Jahre später in seiner Autobiografie "Meine Jahre mit Volkswagen".

 

Von seinem Leistungsvermögen von maximal 128 kW/ 175 PS und seiner souveränen Drehmomententfaltung ganz zu schweigen. Davon zeugt das maximale Drehmoment von 235 Nm, das im Vento-2,8-Liter-VR6 bei 4.200 U/min anliegt und für bis heute beachtliche Fahrleistungen sorgt. So beschleunigt der clever konstruierte Sechszylinder die rund 1,2 Tonnen schwere Limousine in 8,0 Sekunden auf 100 km/h, die erreichbare Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 225 km/h. "Fahrkultur pur" frohlockt folgerichtig die Werbung.

 

"Fahrkultur pur"

Diese Tugenden machen den 2,8-Liter-VR6-Vento, der sich mit seinem serienmäßigen Heckspoiler und ab 1993 zusätzlich mit dunklen Rückleuchten weithin sichtbar als solcher zu erkennen gibt, heute unter Youngtimer-Freunden zu einem beliebten Sammlerobjekt. "Die nötige Sicherheit verschaffen Ihnen serienmäßig sein Sportfahrwerk, das Anti-Blockier-System (ABS) und die elektronische Differentialsperre (EDS)", weiß die Werbung zur Markteinführung zu berichten.

 

Darüber hinaus greifen die Vento-Verantwortlichen beim VR6 auch ausstattungsseitig in die Vollen. So wartet der potente Top-Benziner serienmäßig unter anderem mit elektrischen Fensterhebern, beheizten Wischwasserdüsen, Kopfstützen auf den äußeren Plätzen der Rückbank und einer höhenverstellbaren Lenksäule auf.

 

Auch ausstattungsseitig ein echter Champion

Darüber hinaus wird – analog zum Golf – oberhalb des Basismodells CL die komfortbetonte Ausstattungsvariante GL/GLX angeboten, die unter anderem über elektrische Außenspiegel, Wärmeschutzverglasung und Zentralverriegelung verfügt. Die Bezeichnung GT (bzw. "GTD" für den Diesel) bleibt indes den sportlicheren Modellvarianten vorbehalten, bei denen Fahrer und Beifahrer auf Sportsitzen Platz nehmen.

 

Im Sommer 1998 schließlich wird der Vento nach 1,17 Millionen ausgelieferten Exemplaren vom Volkswagen Bora abgelöst, ehe sich – rein namenstechnisch – der Kreis im Jahr 2005 wieder schließt. Seit der Premiere der fünften Generation des ewigen US-Stars von Volkswagen heißt der Stufenheck-Golf auch hierzulande wieder Jetta. Technisch bleibt er das, was er schon 25 Jahren zuvor war: ein geräumiges, robustes und praktisches Pendant zum Wolfsburger Dauerläufer Golf.