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Der "Fusseltuner" interpretiert den Passat ganz neu

Er fletscht einen Kühlergrill aus Metallschrott, ist martialisch-flugzeuggrau mit der Rolle lackiert und sieht auch sonst so gar nicht aus wie ein braver Volkswagen Passat 32b Variant. Ist er aber! Außerdem verfügt dieses besondere Exemplar über 2.000 Nieten. Damit hat sich "Fusseltuner" Bernd Frank aus Mainz selbst übertroffen. Legendär sind seine kreativ-handgearbeiteten Passat Interpretationen, die dem familiären Mittelklassewagen tatsächlich das Attribut "cool" einbringen, schon lange. Ist ja irre, was? Nö. Vom Ursprungsgedanken her – ziemlich vernünftig! Wollten auch wir erst nicht glauben. Aber dann hat Bernd sein Garagentor geöffnet – und uns damit auch tiefe Einblicke in sein Selbstverständnis gewährt.

Nee, nee, dieser Bernd. Warum bloß kann er die Karren nicht lassen, wie sie sind? "Da ist dieser innere Drang, Dinge aus der unmittelbaren Umwelt immer so zu verändern, dass sie zu meinem Leben passen", sagt er. "Als Kind schon habe ich meine Schränke beklebt, als Jugendlicher mit Fahrrädern das gemacht, was wir heute 'customized' nennen." Und dann, als junger Erwachsener kamen die Autos dran. Meistens Passat. Die blieben nie lange, wie sie ab Werk – pardon: ab Vorbesitzer – waren. Der Bernd nahm sie alle mit der Blechschere in die Mangel und löcherte sie mit der Nietenzange wie wir ihn jetzt mit unseren Fragen. Und "lackierte" sie liebevoll-grob mit Rolle und Pinsel, wobei auch schon mal die kleinen Teilchen kleben blieben, die seinem Label den Namen gaben: Gestatten – Bernd Frank, Geschäftsführer, Ideengeber und Créateur von Fusseltuning. Mann und Marke sind bekannt in der Volkswagen Verrückten-Szene. Ein bunter Hund mit zumeist noch bunteren Passat. Denn ausgerechnet diesen vernünftigen Typ hat Bernd dazu auserkoren, im Mittelpunkt seines Auto-Lebens zu stehen. Als vier Räder Bernds Jugend zu mobilisieren begannen, kam recht schnell ein Passat 32b Formel E. "Von Papa, der nicht mehr mit ansehen konnte, mit was für abenteuerlichem Zeugs der Herr Sohn herumkutschierte. Da sollte es etwas Sicheres, Solides, sein. Ist bis heute so geblieben", führt uns Bernd genüsslich und ohne mit der Wimper zu zucken in die Irre.


Ist ja irre.

So geht Fusseltuning: der 32b Pirat, äh – Passat.



2.000 Aluminiumnieten. Grob in Form gedengelte Bleche über ursprünglichen Heckleuchten-Aussparungen. Zu Luftauslässen umgeflexte Türgriffschalen. Haubenhutze, wellig-eckig, auf Stoß genietet. Weg mit Serienstoßfängern und Kühlergrill! Hinten Audi 100 Typ 43 und schwarz-gelbes Gaffaband, vorn Teil eines Eisen-Bettgestells und aus drei verschiedenen Komponenten 'gewachsene' geteilte Stoßstangen. Faltdach, Marke Rustikal, Flugzeug-Bleche und Typenschilder Grumman Aircraft Engineering, Long Island, USA, Ronal-Tiefbett-Alus mit 205/50 15-Schlappen, Haifischfletsch-Motiv hinter den vorderen Radkästen. "Das war mal ein ganz normaler blauer Saugdiesel-Passat. Ich habe ihn 'Pirat' getauft, weil die Reste eines Aufklebers der Piraten-Partei am Heckfenster prangten." So geht Fusseltuning! Was dagegen? Falls ja: Ist dem Bernd auch egal. Kopfschütteln des Publikums quittiert er mit Achselzucken: Erlaubt ist, was ihm Spaß und Arbeit bereitet. Denn was im seinem Kopf entsteht, muss raus. Und ran an seine Autos.