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Versuchsfahrer Bernhard Weber steigt wieder in den Gelb-Schwarzen Renner

Wilde Käfer und zahme Renner

Doch alles umsonst: Weder die Doppelvergaser noch die Motoren aus Porsche 914 und 911 kamen im Gelb-Schwarzen Renner zum Einsatz, Leiding segnete die sportive Lackierung nebst Sportsitzen und Lederlenkrad ab, verordnete aber ansonsten Serienmotorisierung: 50 PS. Der Volkswagen-Vertrieb, nicht untätig, listete in seinen GSR-Verkaufsunterlagen prompt sämtliche Leistungssteigerer und deren Maßnahmen auf. Ein Extrablatt vermerkte das sonstige sportive Zubehör, von Zusatzscheinwerfern über Feuerlöscher und Sportschalthebel bis hin zum Doppeltonhorn. Darüber hinaus konnten GSR-Kunden, die ihre Kugel tatsächlich zum Porsche aufrüsten wollen, spezielle Karosserieversteifungen ordern: Domstrebe vorn, verstärkte Getriebeaufhängung und sogar die verstärkten Kastenprofile der Längsschweller des Käfer Cabriolets waren bestellbar. Letztere mussten mühsam eingeschweißt werden, waren bei Leistungssteigerungen aber nötig, denn außer überforderten und infolgedessen zahnlosen Versuchs-Getrieben und gebrochener Schwungscheiben notierte Tester Weber "Risse, Risse, überall in der Karosserie", nachdem er seine Versuchsträger über Monate gemartert hatte. Was ist mit diesen Versuchsträgern eigentlich passiert? Erstauntes Augenbrauenheben bei Weber: "Die wurden verkauft – nachdem sie auf 50 PS zurückgerüstet wurden." Ah, ja ...


3.500 Exemplare des GSR wurden zwischen dem 27. Dezember 1972 und dem 1. Februar 1973 innerhalb der laufenden 1303 S-Serienfertigung gebaut, wie die penible Werksauskunft notiert. Angefordert hat die Carsten Meyer, seit 20 Jahren Besitzer unseres Fotofahrzeuges. Er hat es aus zweiter Hand erstanden. "Der war eigentlich gar nicht so schlecht. Bis wir ihn auseinander nahmen." Bezüglich trockener Kommentare kann Meyer es durchaus mit Weber aufnehmen, die beiden verstehen sich auf Anhieb, wovon das fachliche Ping-Pong zwischen Weber und Meyer zeugt: "Was für Dämpfer sind drin?" – "Bilstein."  – "Vergaser?" – "Serie."  – "Ölkühler drin?" – "Nee!" – "Die haben wir immer nachgerüstet, mussten von Hand die ganzen Leitungen von hinten nach vorne und zurück verlegen, was sind die uns dann oft geplatzt ..." Jetzt kniet sich Weber sogar hinter den Renner, wischt mit dem Daumen über den Luftfilterkasten, schaut hier, ruckelt dort, und murmelt ergriffen: "Herrlich, dieser leichte Ölfilm. Ich mag das ja, wenn sie nicht so hundertprozentig sind." Sein Kopf taucht wieder auf aus dem Motorraum, Besitzer Meyer nickt bekräftigend: Zwar gibt es nach seiner Schätzung nur noch 100 Gelb-Schwarze Renner, 40 davon fahrbereit und davon wiederum nur zehn im Originalzustand, doch ran muss sein Exemplar trotzdem: "Ist gerade unser Familienauto, der Bus ist in Reparatur ... Nur ein Radio fehlt den Kindern manchmal." – "Hab noch eins im Keller liegen, 'n originales Blaupunkt Frankfurt. Kannste haben", sagt Weber, während er seine durch den Sturzhelm aus der Kurve geratenen Haare wieder in Form bringt. Recht so: Wenn schon frisieren, dann richtig.