Fein säuberlich aufgereiht stehen sie da, frisch poliert und silbern glänzend präsentieren sie sich im Scheinwerferlicht: Sieben Generationen unter einem Dach. Siebenmal Automobilgeschichte. Siebenmal Golf. Mittendrin zwei Designer, die sich angeregt unterhalten. Manuela Joosten und Tomasz Bachorski sind ins Volkswagen Automobil Forum gekommen, um mit Volkswagen Classic über das Interieur-Design des Golf zu sprechen.
Während die beiden über Design, Gesellschaft und Golf sprechen, gestikulieren sie, lachen, begeistern sich. Man merkt Manuela Joosten und Tomasz Bachorski sofort an, dass sie ein eingespieltes Team sind. Kein Wunder, sie haben schon einige Projekte gemeinsam gestemmt. Ihr jüngster Erfolg: der neue Golf. Gemeinsam mit ihren Teams haben sie dessen Innenraum-Design entwickelt.
Tomasz Bachorski, der ursprünglich aus dem Exterieur-Design kommt, ist seit 1997 bei Volkswagen. Seither schlägt sein Herz für das Interieur, und heute leitet er das Interieur-Design der Marke Volkswagen. Textil-Designerin Manuela Joosten kam 1994 zu Volkswagen. Als Senior Designer Color & Trim verantwortet sie die Farben und Materialien der Innenausstattung. Beide Designer haben schon an zahlreichen Volkswagen Serienmodellen gearbeitet, neben Golf VI und VII haben sie mit ihren Teams auch den up!, Beetle und Scirocco maßgeblich mitgestaltet. Tomasz Bachorski entwarf beispielsweise auch das Interieur von Bugatti Veyron, Volkswagen CC oder Passat B6. Beide berichten mit Herzblut aus ihrer Arbeitswelt: automobiles Design und Interieur.
Was ist für Sie beim Innenraum-Design wichtig?
Tomasz Bachorski: Das, was man von außen kauft, will man auch innen sehen. Man berührt ein Auto das erste Mal von außen, der zweite Griff ist von innen, wenn man die Tür zuzieht. Man nimmt das Auto dann innen wahr. Man spürt die Materialien, die Sitze – das alles verbindet sich mit dem Gesamtbild, und das muss passen.
Manuela Joosten: Man muss sozusagen nach Hause kommen, sich zurückziehen können. Gerade, weil man so lange drinnen sitzt, darf nichts stören. Ein Auto muss Ruhe ausstrahlen. Man guckt letztlich sehr viel länger mit dem Auge auf Details des Interieurs als des Exterieurs.
Inwieweit sind Sie als Designer frei in Ihrer Kreativität? Oder diktieren die technischen Bedingungen auch das Interieur-Design?
Joosten: Die Technik gibt den Rahmen für das Interieur und für Color & Trim vor, ganz klar. Manchmal kämpfen wir ein bisschen damit, aber letztlich ist das das Los eines Industrie-Designers.
Bachorski: Sicherlich schlagen da manchmal zwei Herzen in der Brust. Aber man will ja selber auch ein sicheres Auto fahren. Das ist der große Unterschied zwischen einem Künstler und einem Designer. Kunst hat kaum wirtschaftliche Konsequenzen – als Designer, gerade in der Automobilbranche, hat man auch sehr viel Verantwortung.
Arbeiten Designer und Techniker immer Hand in Hand, oder ringt man auch schon einmal miteinander, wenn eine Idee einem besonders am Herzen liegt?
Bachorski: Es gibt technische Vorgaben, die respektiert werden müssen. Oft sind jedoch Ideen zuerst nicht umsetzbar. Aber die Suche nach einer Lösung, wie es vielleicht doch gehen kann und wie es noch hochwertiger ausschaut, und wenn es dann doch gelingt – das ist quasi das Bonbon in diesem Job, das ist Motivation. Sich als Designer die Freiheiten zu erarbeiten: Das ist toll!
Joosten: Wichtig ist, dass die Designer untereinander und auch mit den Technikern sprechen – und auch wirklich miteinander kommunizieren. Dann funktioniert das Zusammenspiel auch. Und letztlich ist das ja die Basis unserer Teamarbeit.
Haben sich die Ansprüche an das Innenraum-Design seit den 1970ern verändert? Hatte es schon damals die gleiche Relevanz wie heute?
Bachorski: Das allgemeine Verständnis und die Gewichtung von Design waren in den 1970ern und 1980ern noch nicht so ausgeprägt. Design wird heute auch anders kommuniziert. Die Wertigkeit des Designs und dessen Relevanz sind jetzt definitiv ganz anders als damals.
Joosten: Gerade in meinem Bereich war es früher eher noch oberflächlich, im Sinne von Anziehen und Make-up. Heute ist Color & Trim eher substanzieller und beeinflusst die gesamte Innenraumarchitektur.
Bachorski: Wenn man sich die Kompromisse von Technik und Design im ersten Golf anschaut und mit denen im neuen Golf vergleicht, dann sind das nicht nur Generationen, sondern Welten!
Über genau diese Welten wollen wir uns nun unterhalten – quasi eine perfekte Überleitung, und so begeben wir uns zum Golf I ...


