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Design und Leidenschaft – für Volkswagen Exterieur-Designer Philipp Römers zwei untrennbare Dinge

Der Golf VII trägt seine Handschrift: Philipp Römers arbeitet seit 2005 bei Volkswagen im Design – und spricht über Innovationen des neuen Golf, dessen Entwicklung und seine Hingabe zum Beruf.
Im Design des Golf gibt es trotz der jahrelangen Entwicklung Gemeinsamkeiten, Stichwort Golf DNA. Welche Elemente sorgen für den Wiedererkennungswert?

Philipp Römers: Der Golf ist ein klassenloses Auto. Das zeigt sich auch im Design: sportlich, aber nicht zu sportlich; funktional, aber nicht emotionslos; modern, aber nicht modisch; zeitlos und neutral. Dies wurde weiterentwickelt und verfeinert. Angefangen hat es mit dem Golf I. Dessen Hauptdesignelemente, wie die Silhouette mit der aufrechten C-Säule, die Knickkante, die markanten Radläufe sowie die horizontale Front mit dem schlanken Grill und den nach unten herausragenden Scheinwerfern, stecken bis heute in jedem Golf.
 

Welche Innovationen heben sich deutlich von den früheren ab?

Römers: Der Schritt vom Käfer zum Golf war revolutionär: Man stellte von Heckantrieb auf Frontantrieb um – ein völlig neues Fahrzeuglayout. Gestalterisch wechselte man von der runden zur eckigen Formensprache. Der Golf II entwickelte das weiter. So wanderte die Heckleuchte über die umlaufende Knickkante und machte den Golf II damals sehr modern. 1991 erschien der Golf III und führte die Keilform ein. Die vierte Golf Generation ist die schlichteste. Der Golf V wurde höher und bekam im hinteren Bereich eine Schulter. Diese läuft bei der sechsten Generation horizontal über die Flanke und setzt die Messlatte in Präzision und Schärfe höher. Daran schließt der neue Golf an. Vor allem bekommt er dank des Modularen Querbaukastens eine premiumhafte Proportion. Um diese zu betonen, läuft eine tiefe Knickkante um das Auto. Jede Golf Generation ist also als Golf zu erkennen, hat aber spezifische Designelemente.

Weiterentwicklung einer Ikone:

Philipp Römers und der neue Golf

Bleiben wir beim neuen Golf. Was macht ihn aus?

Römers: Der neue Golf wirkt souveräner denn je. Die Fahrzeugkabine bewegt sich visuell nach hinten, wodurch ein sogenannter „Cab-backward-Eindruck" entsteht. So nennt man die Proportion von Oberklassefahrzeugen, bei denen die Motorhaube lang ist und die Kabine sehr weit hinten sitzt. Die tiefe, umlaufende Knickkante setzt den optischen Schwerpunkt nach unten und stellt den Wagen satt auf die Straße. Auch aus den Perspektivansichten wirkt er breiter und sportlicher. Natürlich spielt der Verbrauch eines Autos auch eine Rolle. Deshalb haben wir einen Golf entworfen, der nachhaltig und aerodynamisch ist.
 

Welcher Zeitraum ist denn realistisch für die Entwicklung eines neuen Designs?

Römers: Von der ersten Skizze bis zum fertigen Serienauto vergehen ca. vier Jahre, davon ein bis zwei Jahre im Design. Wir machen nicht nur eine Skulptur, sondern auch eine Form, die funktionieren muss. Zwar haben wir ein Grundgerüst im Kopf – aber das stimmen wir mit vielen  anderen Abteilungen ab. So entwickeln wir gemeinsam ein Auto.
 

Wie viele Designer arbeiten am Ende an einem Modell?

Römers: Wenn ein Projekt wie der Golf startet, nehmen alle Designer weltweit teil. Von den Entwürfen gehen vielleicht zehn ins 1:4-Modell, danach fünf ins 1:1-Modell. Nach diversen Präsentationen bleibt meist ein Entwurf übrig. Den entwickelt dann der verantwortliche Designer mit Hilfe seines Teamchefs zur Serienreife. Unser Designchef Klaus Bischoff und der Konzern-Designchef Walter de Silva überwachen den Prozess und geben wesentliche Impulse.
 

Kreativ zu sein, bedeutet auch, Emotionen zu transportieren. Was macht Ihren Beruf für Sie besonders?

Römers: Ich habe das Privileg, mein Hobby als Beruf auszuüben. Ich liebe Autos und ich liebe es, kreativ zu sein. Da gab es nur einen Berufswunsch: Auto-Designer. Und an diesem Auto mitzuarbeiten, ist eine große Ehre.
 

Verraten Sie uns, woher Sie Ihre Inspiration beziehen?

Römers: Wenn wir die Tür zum Designstudio öffnen, befinden wir uns vier Jahre in der Zukunft und überlegen, in welche Richtung man künftig denken wird. Das beeinflusst jeden neuen Entwurf. Darüber hinaus sind wir alle autobegeistert und holen uns schon mal Inspirationen aus der Vergangenheit. Auch die Geschichte des Golf ist inspirierend, ebenso wie formale und gesellschaftliche Entwicklungen.
 

Was, glauben Sie, macht den Golf so erfolgreich?

Römers: Die ständige Verfeinerung und Perfektionierung bei gleichzeitiger Beibehaltung des Grundcharakters. Mit einem Golf kauft man nicht nur ein Qualitätsprodukt, sondern auch einen lebenden Klassiker.
 

Welchen Volkswagen fahren Sie?

Ich fahre noch den Golf VI. Und als Spaßauto suche ich einen Golf I GTI mit kleinen Rückleuchten – Sie kennen nicht zufällig jemanden, der einen verkauft?