Ein Kumpel fürs Leben

Der Passat B3 von Manuel I. als seltene Oettinger-Tuningversion

Ein sehr kalter Novembertag im fränkischen Schwabach, südlich von Nürnberg: keine Wolke am Himmel, die Sonne strahlt, aber die Luft ist eisig. Macht nichts, wir wollen ja heute nicht an den Baggersee, sondern den Oettinger-Passat B3 von Manuel unter die Lupe nehmen. Denn zwischen dem Youngtimer aus dem Jahr 1990 und seinem Besitzer besteht eine langjährige Beziehung, bei der einem warm ums Herz wird.

Die Geschichte beginnt im Dezember 1990, als die zinngraue, rund 150 PS starke Limousine mit sportlicher GT-Ausstattung erstmals zugelassen wird, auf einen guten Freund der Familie. Der damals sechsjährige Manuel war oft auf dem Rücksitz des Passat unterwegs. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals als kleiner Pimpf die Bonbonpapiere zwischen die Ritzen der Rückbank gestopft habe – in der heimlichen Hoffnung, dass sie später niemand wiederfinden würde. Hätte ich damals gewusst, dass ich selbst zwölf Jahre später eben jene Papierchen wüst schimpfend aus den armen Polstern kratzen müsste …"

Dezent getunt, liebevoll gepflegt: der Oettinger-Passat B3 von Manuel I.

 

Und das kam so: Als Manuel 17 Jahre alt ist, stirbt sein guter Kumpel und Passat-Besitzer nach schwerer Krankheit. Auf dem Sterbebett vermacht er dem Teenager sein Auto – eigentlich mit dem Ziel, gut darauf achtzugeben, bis es ihm selbst wieder besser geht. Leider kommt dieser Tag nie, und seitdem hütet Manuel sein automobiles Erbe wie ein rohes Ei: "Ich habe so viel mit dem Vorbesitzer und seinem Wagen erlebt. Deshalb möchte ich, dass sein Passat weiterhin Teil meines Lebens ist."

 

Historie, Daten, Prospekte: alles zum Passat B3

Und dafür nimmt der heute 32-Jährige einiges in Kauf. Finanzielle Opfer etwa: Als der Passat vor zehn Jahren unschuldiges Opfer eines Crashs wird und die Versicherung auf dem Zeitwert beharrt, reicht die Summe für die aufwendige Reparatur natürlich hinten und vorne nicht. Besitzer Manuel schießt den fehlenden Betrag aus eigener Tasche hinzu – für seinen geerbten Youngtimer ist ihm nichts zu teuer.
 

 

Und was passiert in Zukunft? Dass die Liaison mit seinem Youngtimer weitergeht, steht für Manuel außer Frage. Sein Langzeitziel ist auch klar: "Ich will den Tacho nullen und die eine Million Kilometer vollmachen!" Gut, bis dahin dürften noch einige Jahre ins Land gehen, denn aktuell stehen rund 300.000 Kilometer auf der Uhr. Aktuell steht eine umfangreiche Restauration an – übrigens die erste für den gepflegten Garagenwagen: Neulackierung, Neuaufbau des Unterbodens, Überholen des Fahrwerks, Revision von Getriebe und Motor.

 

 

Letzterer verfügt über zwei Liter Hubraum, 16 Ventile und ist eines von wenigen verbliebenen, ab Werk ausgelieferten Oettinger-Aggregaten. Der vergleichsweise geringe Leistungszuwachs von 136 auf 150 PS wurde durch eine "scharfe" Nockenwelle mit größerem Öffnungswinkel sowie einer Bearbeitung des Saugrohrs erzielt. Der Motor schnurrt wie am ersten Tag, begeistert mit Drehfreude und kernigem Sound. Technik-Freak Manuel, der beruflich Auto-Tests für ein Fachmagazin organisiert, möchte hier künftig noch Hand anlegen und dem Maschinchen eine zusätzliche PS-Spritze verpassen, sprich: eine noch schärfere Nocke, den Kopf bearbeiten, Dachkolben für mehr Verdichtung, "damit wir die Million bei gesunden 160, 170 PS erreichen". Hegen und Pflegen ist hier also das Motto. Wir glauben: Diese Beziehung hat Zukunft und wird noch lange halten.