Endlich 18!

Der Lupo wird volljährig – wir gratulieren

Es gibt begabte Kinder, deren überragende Talente seit ihrer Schulzeit verkannt werden. Und dann gibt es andere, bei denen ist man froh, wenn sie endlich aus dem Haus sind. Bei dem im Herbst 1998 vorgestellten Lupo ist das anders: Heute ist das ewig junge Wölfchen als Gebrauchtwagen ein gefragter Youngtimer in spe. Wen wundert's? Schließlich brach der hochbegabte Kleinstwagen schon in jungen Jahren alle Rekorde. Jetzt wird das ehemalige Nesthäkchen der Wolfsburger Modellfamilie stolze 18 Jahre alt. Wir gratulieren!

Die Erwartungen sind hoch, als im Herbst 1998 der Vorhang für den Lupo aufgeht. Aus gutem Grund: Mit ihm betritt Volkswagen Neuland – und der Lupo das Segment der Kleinstwagen. Der Klassenneuling enttäuscht die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht. Im Gegenteil: Statt einer Schultüte gibt es haufenweise Vorschusslorbeeren von der Fachpresse. Vor allem für den ab 1999 angebotenen Lupo 3L TDI.

 

Und das völlig zu Recht: Im Spritspar-Leistungskurs der hohen Ingenieursschule ist der Kleine Klassenbester. Als erstes Serienauto der Welt bleibt er beim Normverbrauch unter der Dreiliterm-Marke: 2,99 Liter Diesel auf 100 Kilometer – ein Schnitt, der für viele andere aus seiner Klasse bis heute unerreichbar bleibt.

Möglich machen es intelligenter Leichtbau und ein Materialmix, bei dem das Beste gerade gut genug ist: Extradünne Spezialglasscheiben etwa reduzieren das Gesamtgewicht beträchtlich. Bei vielen Karosserie- und Anbauteilen kommen ultraleichte Aluminium-Legierungen zum Einsatz. Weitere schlaue Spritsparlösungen wie das lang ausgelegte, automatisierte Schaltgetriebe (ASG) helfen mit, dass das nur 3,53 Meter kleine Technik-Wunderkind auf Anhieb alle Verbrauchsrekorde bricht.

Happy Birthday, Lupo: Der kleine Volkswagen feiert 2016 seinen 18. Geburtstag

 

Der Klassenbeste ist auch gut im Sport

Ein spaßfreier Strebertyp also? Eine blasse Intelligenzbestie auf Rädern? Mitnichten! Mit seiner "Happy Face" getauften Frontpartie lächelt der Lupo zwar glückselig wie der Klassenprimus, der gerade wieder mal eine Eins mit Sternchen eingeheimst hat. Doch der kleine Wolfsburger ist auch gut im Sport – ein echter Sprintertyp. Allen voran das Performance-Modell Lupo GTI, das für den Spurt von Null auf 100 km/h nur 8,2 Sekunden benötigt und bis zu 205 km/h schnell wird.

So viel Leistungsdrang weckt Begeisterung. Auch in der Wolfsburger Chefetage hat der einstige Musterknabe der Kleinstwagenklasse einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Da war eine Magnesiumheckklappe drin am Anfang. Das war damals Hochtechnologie. In einem Kleinwagen!", schwärmte Konzernbetriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh erst kürzlich in einem Zeitungsinterview. Allerdings nicht ohne auf den Preis von 27.382,–- DM für den Dreiliter-Lupo zu verweisen, der einem weltweiten Verkaufserfolg à la Polo und Co. im Wege stand. "Der war seiner Zeit weit voraus", erinnert sich Osterloh.

Das kann man laut sagen: Die serienmäßige Start-Stopp-Automatik etwa wurde um einen Freilauf ergänzt, der ein widerstandsarmes Rollen des Wagens bei geöffneter Kupplung ermöglichte und somit die "Segel"-Funktion vorwegnahm, die heute in vielen Fahrzeugen des Volkswagen Konzerns Standard ist. Mit Sandwichblechen, wie der angesprochenen, in Magnesium-Aluminium-Verbundbauweise ausgeführten Heckklappe, durfte auch die konzerneigene "Werkstoff-AG" zeigen, was sie drauf hat.

 

Als GTI wird der Kleine zum Performance-Künstler

Leichtbau wird auch beim Lupo GTI groß geschrieben und reduziert dessen Leergewicht auf 1.015 Kilogramm. Der 1,6- Liter-16-V-Benziner leistet 92 kW/125 PS. Er ist dem Performance-Modell des Polo entliehen, auf dessen verkürzter Plattform der Lupo steht. Macht unterm Strich ein Leistungsgewicht von 8,1 Kilogramm/PS. Ein Wert, der dem Namenspatron des kleinen Performance-Riesen, dem legendären Golf I GTI, in fast nichts nachsteht.

Kein Wunder, dass die Fachpresse dem Lupo GTI ein exzellentes Zeugnis ausstellt: "Der Vierventiler reagiert spontan auf Druck von rechts und frisst sich gierig durch die Drehzahlen", berichtet das Magazin "Auto Bild" im Frühjahr 2001. "Die automatische Verstellung der Einlassnockenwelle sorgt dabei für geschmeidigen Drehmomentverlauf, der bei 3.000 Touren in 152 Nm gipfelt. Innen verwöhnen fesselnde Sportsitze und feine Anmutung", notieren die Tester. "So klein und schnell ist sonst keiner", resümieren ihre Kollegen von "Auto, Motor und Sport".

 

Bestnoten von der Fachpresse

Doch auch Bestnoten in den Fächern "„Sport", "„Wirtschaftlichkeit" und "„Innenraumdesign" sowie etliche Auszeichnungen – darunter die Wahl zum "„vernünftigsten Auto" des Jahres 2001 und der Sieg im Spritspar-Wettbewerb eines renommierten britischen Automagazins – können das Ende seiner Modellkarriere nicht aufhalten: Nach exakt 487.856 gebauten Fahrzeugen läuft 2005 die Lupo-Produktion aus.

 

Nach "Wolf" kommt "Fuchs"

Abgelöst wird der "Wolf" von einem eher konventionell konstruierten Sparfuchs namens "Fox", dem nächsten cleveren Kleinwagen von Volkswagen. Aufgrund seiner niedrigen Unterhaltskosten und seiner überaus günstigen Steuereinstufung, besonders in der 3L-TDI-Version, ist der Lupo als Gebrauchtwagen und Youngtimer-Anwärter heute jedoch begehrter denn je. Zu Recht, wie die überwiegende Mehrheit der volkswagen-classic.de-Community einer Umfrage zufolge meint.

Dass nicht alle aus seinem Jahrgang auf Anhieb erkannten, mit welchem Technik-Wunderkind sie da die Straße teilten – ficht den Lupo nicht an. Warum auch? Mit 18 darf er nun ja auch endlich selbst ans Steuer!