Everybody's Bulli

Ein halbes Jahrhundert Volkswagen T2

Wie gewohnt mit liebenswert runden Kulleraugenscheinwerfern, aber nun erstmals mit durchgängiger, gewölbter Windschutzscheibe, die eine bessere Rundumsicht ermöglicht, erblickt der Volkswagen T2 1967 das Licht der Autowelt – und legt sogleich eine Weltkarriere hin.

Unter seinem Rufnamen "Bulli" bringt es der Transporter zu Weltruhm: Wohl kaum ein historisches Fahrzeug verkörpert das Volkswagen Lebensgefühl so wie der T2 als klassischer "Bulli". Einer von vielen Legenden zufolge, die sich um die Namensbildung ranken, vermutlich ein Blendwort aus "Bus" und "Lieferwagen".

Fest steht: Als Symbol für grenzenlose Freiheit auf vier Rädern wurde der bei seiner Premiere 4,42 Meter lange "Bus" in Rekordzeit zur Flower-Power-Ikone, die das Aufbruchsstreben einer ganzen Generation verkörperte wie Jimmy Hendrix' Gitarre, Woodstock oder der Marsch auf Washington.

50 Jahre Volkswagen T2:
Die Weltkarriere des "Bulli"

 
Bodenständige Anfänge

Dabei fing alles ganz bürgerlich an, geradezu bodenständig – genauer gesagt im Nutzfahrzeugwerk Hannover, wo 1967, also vor exakt einem halben Jahrhundert, der erste Volkswagen Transporter mit dem Beinamen T2 vom Band rollte und somit seinen nachträglich T1 getauften Vorgänger beerbte.

Dass Volkswagen mit dem T2 Großes vorhatte, macht sich bereits an Abmessungen und Ausstattung bemerkbar: Die Fahrerkabine ist komfortabler geworden. Die Karosserie ist bei identischem Radstand von 2,40 Metern und unveränderter Breite gegenüber dem T1 um 20 Zentimeter in die Länge gewachsen, die maximale Nutzlast hat sich auf 1.000 kg erhöht. Die seitliche Schiebetür, die beim Schließen den charakteristischen "Bulli"-Sound fabriziert, ist nun Serie.

 
Heck-Boxermotor bleibt Antriebsmittel der Wahl

Antriebstechnisch blieb es beim Käfer-Konstruktionsprinzip, das sich schon beim Vorgängermodell bewährt hatte. Wie der T1 besitzt auch der T2 einen luftgekühlten Vierzylinder-Otto-Boxermotor, dessen Hubraum im Vergleich zum Vorgänger durch eine Erhöhung der Zylinderbohrung von 1.493 cm3 auf 1.584 cm3 vergrößert wurde. Der durch diese Maßnahme um knapp 100 cm3 gewachsene Motor leistet dadurch 35 kW/47 PS – 3 PS mehr als im T1.  

Um die Aufhängung des Boxermotors im Heck zu ermöglichen, wird ein zusätzlicher hinterer Querträger eingebaut. Die zur Kühlung des Aggregats benötigte Luft wird über ausgestellte seitliche Öffnungen am Heck zugeführt. Sie befinden sich in Fensterhöhe an den hinteren Wagenecken und verleihen der Heckpartie ihre charakteristische "Pausbackenform".

Dienen sollte der T2 wie die offizielle Modellbezeichnung "Transporter" bereits vermuten lässt, zunächst in erster Linie dem Transport von Lasten – vorzugsweise von Material und Arbeitsutensilien von Handwerkern oder Waren wie E-Geräten, die es auszuliefern galt. Zeugen dieser ursprünglichen "Zweckbestimmung" sind die seinerzeit sehr beliebten Karosserievarianten des Pritschen- und Kastenwagen oder der "Kombi" als mit Fenstern versehene Variante des Kastenwagens.

 
Modellpflege bringt mehr Leistung und Wärme

Mit der Modellpflege kamen ab Mitte 1971 neben leistungsstärkerem Flachmotor mit Doppelvergaser (eine Weiterentwicklung des aus dem Volkswagen 411/412 bekannten Motors mit bis zu 51 kW/70 PS in der 2,0-Liter-Variante) als Sonderausstattung ein elektrisches Zusatzgebläse für die Heizung und eine verbesserte Warmluftführung im Fahrgastraum hinzu. Sie sorgten dafür, dass es auch auf langen Fahrten in den hohen Norden oder gar dem Trip ins Hippie-Paradies Indien den Insassen stets warm ums Herz blieb.

Aufgrund seiner sprichwörtlichen Unverwüstlichkeit, seiner ausgeprägten "Do-it-yourself-Freundlichkeit" und der überaus guten Teileversorgung blieb der Bulli auch nach dem Abklingen der Hippie-Bewegung weltweit das Auto für Individualisten, Camping- und Naturliebhaber aller Art. Als speziell in der Surferszene beliebter Campingbus wurde der T2, nicht zuletzt in Form von unzähligen individuellen Umbauten, zum Inbegriff von Sommer, Freiheit und kalifornischem Lebensstil – und letztlich zum automobilen Mythos, der er bis heute ist.

Doch nicht nur Outdoor-Fans kommen im T2 auf ihre Kosten. Dass das heutige Kult-Auto nicht nur hohen Sammlerwert besitzt, sondern immer schon auch Innovationsträger war, zeigt der auch als „Elektrotransporter" bekannte T2 Typ 2150, mit dem Volkswagen in den 1970er-Jahren echte Pionierarbeit in Sachen Elektromobilität leistete.

 
Wechsel zum T3 nach über 2,5 Millionen Exemplaren

Nach exakt 2.533.188 im Volkswagen Nutzfahrzeuge Werk Hannover gebauten Exemplaren – darunter so spezielle Varianten wie Lastentransporter mit 1,2 Tonnen Nutzlast oder der sieben- bis neunsitzige, vergleichsweise luxuriös ausgestattete "Kleinbus L" – lief der letzte in Deutschland produzierte T2 am 31. Oktober 1979 vom Band.

Mit diesem Datum wurde der Modellwechsel zum geräumigeren und komplett neu entwickelten T3 vollzogen. Dieser war der erste eigenständige Transporter von Volkswagen, der sich technisch nicht länger beim Käfer ("Typ 1") bediente. Anders in Brasilien. Hier lief der T2 noch bis Ende 2013 in weiten Teilen unverändert vom Band.

Gefeiert wurde das Ende dieser automobilen Modellkarriere mit dem brasilianischen T2 Sondermodell "Last Edition". Aus dem kollektiven automobilen Gedächtnis der motorisierten Menschheit in allen Teilen Erde Welt wegzudenken war der zeitlos coole Bulli zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr.