Der Käfer-Schorsch vom Fohlenhof


Das Classic Competence Center in Rottenbuch: zu Besuch bei Georg Angerer
Es ist noch etwas trüb an diesem Morgen, aber vor dem weiß getünchten historischen Gebäude leuchten uns Bulli und Käfer farbenfroh entgegen. In den ehemaligen Kloster-Stallungen sehen wir schon von Weitem einen Käfer im Gewölbe stehen. Alles klar, hier sind wir richtig – auf dem Fohlenhof, im Autohaus von Georg Angerer.

Beim Betreten der Empfangshalle kommen wir bereits ins Staunen, bevor wir dem Hausherrn überhaupt die Hand schütteln können. Ein eleganter, rot lackierter NSU Spider von 1964 mit farblich passender Lederausstattung lässt Cabrio-Sommerträume aufkommen. Ebenso das blaue 1974er Käfer Cabriolet. Oder doch lieber im grauen NSU RO 80 von 1976 rumcruisen? Gereichter Kaffee und Georg Angerer unterbrechen die aufkommenden automobilen Fantasien. "Das ist unser erstes Familienprojekt und gewissermaßen unser Herzstück", erklärt Angerer auf den NSU Spider deutend. Als die Familie Angerer den 1964er Spider gemeinsam aufbaut, ist Georg 17 und bereits seit Jahren den Automobilen verfallen.

 

 

Classic Competence Center Fohlenhof: klassische Pferdestärken in ehemaligen Kloster-Stallungen

 

 

Die ganze Familie ist Auto-vernarrt, Georg und seine drei Geschwister wachsen mit und im Autohaus der Eltern Gunda und Hans Angerer auf. Die Kinder können Auto fahren, sobald sie mit den Füßen nur an die Pedale kommen. Mit 15 beginnt Georg Angerer, Autos zu restaurieren – das blaue Käfer Cabriolet hier im Verkaufsraum ist sein Erstlingswerk. Eigentlich sollte es nur für einen Sommer für die Freundin des Bruders fahrbereit gemacht werden. Eigentlich. Denn nach diesem Sommer gehört der Käfer Georg, und der schneidet den 1974er Volkswagen erst einmal komplett auseinander. Der Vater stellt die Werkstatt, auf die Teile spart Georg und steckt alles, was er verdient, in dieses Auto. Es ist ein gutes Lehrstück: Der Kfz-Lehrling setzt seinen Volkswagen wie ein Puzzle wieder zusammen – und ist seither mit dem Käfer bestens vertraut.

 

Ein 1979er-Exemplar aus Kalifornien erweist sich indessen als so gut in der Substanz, dass Angerer es innerhalb eines Monats zum Fahren bringt. Aus dem eigentlichen Schlachtauto wird sein Alltags-Käfer, den er noch heute fährt. Und so hat Angerer damals eben gleich zwei Oben-ohne-Käfer. Das macht natürlich Eindruck in der Gemeinde und bringt ihm den Beinamen "Käfer-Schorsch" ein. Aber für Georg Angerer ist es mehr als ein Spitzname, es wird seine Berufung: Als gelernter Kfz-Mechaniker, Meister und Kfz-Betriebswirt übernimmt er 2004 schließlich den Familienbetrieb und führt seither das Autohaus Fohlenhof.

 

 

 

 

Probleme mit dem Käfer? Teile für den Bulli nötig? Ab zum Schorsch nach Rottenbuch! Der Fohlenhof ist über Oberbayern hinaus bekannt für seine Kompetenz in Sachen Klassiker. Nicht erst seit der – nur konsequenten – Zertifizierung als Classic Competence Center im Jahr 2014. Angerers Hauptgeschäft sind Wartung und Reparatur, Teilaufbau und Verkauf von Teilen. Er arbeitet mit erfahrenen Sattlern und Lackierern eng zusammen, für komplette Restaurierungen fehlen Angerer leider die Kapazitäten. Angerers Maxime: "Transparenz! Bei der Direktaufnahme muss man sehr genau hinschauen und fragen. Was wollt ihr? Was ist es wert? Welche Substanz ist da? Und dann klar sagen, was tatsächlich machbar ist." 

 

Nicht nur Teilnehmer klassischer Rallyes, die in der Saison hier vielfach die Gegend passieren, wissen zu schätzen, dass Angerer neben seinem Fachwissen auch gängige Ersatzteile für Käfer und Bulli parat hat. "Ich kann eh nichts wegwerfen, was irgendwie noch einmal verwertbar sein könnte. Aber nachdem ich an einem Wochenende mal einem Käfer-Fahrer seinen ganzen Urlaub gerettet hatte, weil genau das benötigte Ersatzteil seit Jahren in meinem Regal vor sich hin schlummerte, habe ich angefangen, eine Art Notfall-Repertoire an klassischen Teilen aufzubauen." Und damit hat Angerer schon so manchem schnell und direkt aus der Klemme helfen können.

 

 

 

 

Alte Technik und Mechanik, das fasziniert Georg Angerer – und ist möglichst auch in Betrieb vorhanden: historische Maschinen, Werkzeuge, Technik, Motorräder und sogar Hochräder. Bei Angerer sind Klassiker definitiv nicht nur Job – sondern Leben. Die Volkswagen, die er repariert oder wieder aufbaut, dürfen gern so original wie möglich sein, müssen sie aber nicht. Auf jeden Fall kann Angerer nichts Halbfertiges abgeben. Da werden mal eben extra noch die Polster gereinigt, einfach nur, damit der Bulli bei der Abgabe wieder richtig schön strahlt.

 

"Und wenn dann einer kommt und sagt, das Auto läuft wieder, und ist zufrieden – das macht echt Freude!" Und ist ihm Motivation genug. Dafür lässt er sich auch gerne mal sonntags rausklingeln. Wenn er nicht gerade mit seinem restaurierten T2 Camping-Bulli mit farblich passendem Anhänger einen Familienausflug macht. An Klassikern zu schrauben, das macht Georg Angerer glücklich. Damit loszufahren, ist für ihn pure Lebensfreude. Die kann man auch in seinen Augen blitzen sehen, wenn der Käfer-Schorsch vom Fohlenhof von seiner Leidenschaft spricht.

 

 

 
Kontakt:

Autohaus Fohlenhof
Volkswagen Classic Competence Center
Fohlenhof 5
82401 Rottenbuch
Tel. 08867/1085
 

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