1. Volkswagen Classic
  2. Magazin
  3. Prototypen und Studien
  4. Rekorde für die Ewigkeit: W12 Nardo und ein Dutzend Bestmarken

Wir nutzten Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung dieser Website zu ermöglichen und unsere Kommunikation mit Ihnen zu verbessern. Auf dieser Website setzen wir aktuell nur Funktionscookies (Erforderliche Cookies) ein. Die Verarbeitung der Funktionscookies ist notwendig, um Ihnen einen Besuch der Webseite zu ermöglichen. Informationen zu den einzelnen verwendeten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und in der Cookie-Richtlinie.

Weiter Cookie Einstellungen

Rekorde für die Ewigkeit: Der W12 Nardo knackte Bestmarken im Dutzend

.

Stark, schnell, ungeschlagen. Im Februar 2002 trat Volkswagen erneut mit einem Experimentalfahrzeug in Nardò an, um die Leistungsfähigkeit eines neu entwickelten Zwölfzylinder-Motors zu beweisen. Das Rekordergebnis: ein Dutzend internationale Bestmarken.

Rekord-Team 2002

Ein Zwölfzylinder – die Gallionsfigur jeder Motorenabteilung. Um die Jahrtausendwende entwickelten Volkswagen Ingenieure genau solch ein Aggregat. Es sollte die Spitzenmotorisierung für die künftige Luxuslimousine der Marke darstellen – ProjektnameD1. „Laut unserer Vorgabe durfte der Motor nicht länger sein als ein bereits existierender Achtzylinder, um keine tief greifenden konstruktiven Änderungen am Fahrzeug vornehmen zu müssen“, erinnert sich Rudolf-Helmut Strozyk, damaliger Leiter der Aggregatekonstruktion bei Volkswagen. Auf Basis des VR6-Triebwerks, wie im Golf verbaut, wurde der Zwölfzylinder-Motor konstruiert. Die einzigartige Anordnung der beiden VR6-Zylinderköpfe war namensgebend: „W12“. Aus zunächst 5,6 Liter Hubraum produzierte das extrem kompakte Aggregat 309 kW (420 PS). 

Auf nach Italien! „Um das Potenzial des W12 zu beweisen, kamen wir auf die Idee einer Rekordfahrt“, so Strozyk. Offiziell vom Weltautomobilverband FIA anerkannte Weltrekorde über Langstreckendistanzen wurden seinerzeit hauptsächlich im süditalienischen Nardò gefahren. Als Termin wurde Oktober 2001 gewählt, rechtzeitig zur Präsentation des letztlich nicht realisierten Supersportwagens W12 Coupé auf der Motorshow in Tokio. 

Für die Rekordfahrt wurde der Hubraum des Zwölfzylinders auf knapp sechs Liter erhöht, die Leistung stieg auf satte 441 kW (600 PS). „Die Karosserie entstand bei Italdesign unter der Federführung von Fabrizio Giugiaro. Die Zusammenarbeit war wesentlich für den Erfolg“, blickt Projektleiter Strozyk anerkennend zurück. Am 14. Oktober 2001 trat der W12 schließlich in Nardò zur Rekordfahrt an – nur Stunden nach dem ersten Rollout. „Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet“, erläutert Strozyk. Mit dem damaligen Volkswagen Vorstandsvorsitzenden Dr. Ferdinand Piëch und einer großen Anzahl von Journalisten als Augenzeugen stand das Team unter Erfolgsdruck. „Auf der Kreisbahn war eine Marschgeschwindigkeit von 350, 360 km/h möglich“, erinnert sich Dieter Depping, damals Mitglied des sechsköpfigen Fahrerteams und noch heute Entwicklungsfahrer bei Volkswagen Motorsport. Seine Teamkollegen: der ehemalige Formel-1-Pilot Emanuele Naspetti (Italien), Sportwagen-Weltmeister Mauro Baldi (Italien), Rallye-Ass Marc Duez (Belgien), Lamborghini-Testfahrer Giorgio Sanna (Italien) und Tourenwagen-Spezialist Jean-FrançoisHemroulle (Belgien).

Beide Rekordfahrten haben so gut funktioniert, weil die Teammitglieder aus der Forschung und Entwicklung Volkswagen, von Volkswagen Motorsport und von Italdesign perfekt zusammengearbeitet haben.

Projektleiter Rudolf-Helmut Strozyk

24 Stunden auf Hochgeschwindigkeitskurs

Rennstrecke von Nardò (Italien)

Aufgrund des Tankinhalts des W12 wurden einzelne Fahrtabschnitte von jeweils etwa 80 Minuten festgelegt. „Um dem Seitenwind auszuweichen, fuhren wir möglichst dicht an der Leitplanke. Das war besonders nachts knifflig, weil dem W12 aus aerodynamischen Gründen keine Zusatzscheinwerfer montiert wurden und wir nur das normale Fahrlicht hatten“, erzählt Depping. Die Strategie funktionierte, nach 500 Kilometern fiel der erste Rekord. Auch bei den nächsten Marken nach 500 Meilen, 1.000 Kilometern und 1.000 Meilen war der W12 deutlich schneller als der bisherige Rekordhalter. Doch dann traten kleinere technische Probleme auf. „Bei einem brandneuen Rennwagen nicht außergewöhnlich“, sagt Strozyk. Dennoch schafften es die Profipiloten, den W12 weiter in leicht reduziertem Tempo um die Kreisbahn zu zirkeln. Schließlich erzielten sie neun internationale Bestmarken, die letzte nach der Königsdistanz von 5.000 Meilen. 

Aber speziell mit dem 24-Stunden-Wert von 295,24 km/h waren die Beteiligten – vor allem Vorstandsvorsitzender Piëch und Projektleiter Strozyk – nicht zufrieden. „Uns war klar, dass mit einem problemlos laufenden Auto viel mehr drin wäre“, erinnert sich Strozyk. „Dr. Piëch gab uns schließlich die Erlaubnis für einen zweiten Versuch.“ Seine Forderung: Die 300-km/h-Grenze muss fallen!

Rekordangriff 2.0

Nur vier Monate später, schon im Februar 2002, schlug die Mannschaft erneut ihr Lager in Nardò auf. Wieder im Vorfeld einer Präsentation: Die Volkswagen Luxuslimousine Phaeton, die Serienversion von Projekt D1, sollte nur wenige Tage später auf dem Automobil-Salon in Genf debütieren. Die Fahrercrew blieb bis auf eine Position unverändert: Statt Naspetti griff nun Rallyefahrer Raimund Baumschlager mit ans Lenkrad. Der Österreicher, der heute mit eigenem Team unter anderem den Polo GTI R5 im Rallyesport einsetzt, hatte bereits mehrere 24-Stunden-Rennen für Volkswagen bestritten.

Um notfalls ein weiteres Eisen im Feuer zu haben, machten sich dieses Mal gleich zwei Fahrzeuge auf die Jagd nach neuen Rekorden. Als Backup wurde ein bei Testfahrten verwendeter Versuchsträger mit dem Chassis eines Lamborghini Murciélago von einem italienischen Team mit eigenen Fahrern eingesetzt. Perfektes Teamwork: Auch beim zweiten Versuch reizte die Mannschaft die Möglichkeiten voll aus und blieb volle 5.000 Meilen auf der Bahn. „Nach 24 Stunden sind wir einfach weitergefahren“, blickt Depping zurück.

Am Ende verbesserte die Mannschaft alle zehn eigenen Rekorde – und stellte sogar noch zwei neue auf (siehe Tabelle). Ein Rekordbrecher der Superlative: Alle Rekorde sind ungeschlagen, fast 20 Jahre später wird der W12 noch immer in der Statistik der FIA als Weltrekordhalter geführt.

Ein Dutzend Rekorde

  • Die Rekorde des W12 im Vergleich

    Distanz / Zeit 2001 2002*
    100 Kilometer - 322,464 km/h1
    100 Meilen - 325,593 km/h1
    500 Kilometer 307,635 km/h 324,672 km/h1
    500 Meilen 308,806 km/h 327,390 km/h1
    1.000 Kilometer 311,088 km/h 325,280 km/h1
    1.000 Meilen   311,506 km/h 325,863 km/h2
    5.000 Kilometer 295,440 km/h 324,850 km/h2
    5.000 Meilen 291,869 km/h 323,039 km/h2
    1 Stunde 310,989 km/h 328,160 km/h1
    6 Stunden 311,581 km/h 325,584 km/h2
    12 Stunden 297,749 km/h 324,876 km/h2
    24 Stunden 295,238 km/h 322,891 km/h2

    1 Internationaler Klassenrekord

    2 Weltrekord

    * Alle Rekorde noch gültig (Stand 7/2021)

     

    1. Rekordfahrt am 13./14. Oktober 2001

    Team: Dieter Depping (D), Jean-François Hemroulle (B), Marc Duez (B), Mauro Baldi (I), Emanuele Naspetti (I), Giorgio Sanna (I)

    2. Rekordfahrt am 23./24. Februar 2002

    Team: Dieter Depping (D), Jean-François Hemroulle (B), Marc Duez (B), Mauro Baldi (I), Giorgio Sanna (I), Raimund Baumschlager (A)

Wichtiger Hinweis

Wenn Sie auf diesen Link gehen, verlassen Sie die Seiten der Volkswagen AG. Die Volkswagen AG macht sich die durch Links erreichbaren Seiten Dritter nicht zu eigen und ist für deren Inhalte nicht verantwortlich. Volkswagen hat keinen Einfluss darauf, welche Daten auf dieser Seite von Ihnen erhoben, gespeichert oder verarbeitet werden. Nähere Informationen können Sie hierzu in der Datenschutzerklärung des Anbieters der externen Webseite finden.

Weiter zur Seite Abbrechen