Unter der Sonne Sachsens

Mit Erdbeerkörbchen auf Rallyekurs: Volkswagen bei der 15. Sachsen Classic Rallye

Mittagssonne in Sachsen, die Startnummer sitzt. Roadbook, Bordkarte, Stoppuhren, Stift, Landkarte – Check. Wasser, Nervennahrung – an Bord. Ein letzter gemeinsamer Blick ins Roadbook. Der Puls steigt. Verdeck auf, Sonnencreme auftragen, Mütze, Kopftuch und Sonnenbrille auf – Team 29 ist startklar zur Sachsen Classic 2017. Wir lassen den Blick schweifen: Der Platz der Völkerfreundschaft in Zwickau gleicht einer Automobilausstellung, denn knapp 200 Fahrzeuge gehen an den Start der 15. Auflage dieser Traditionsveranstaltung.

In der Sonne glänzen Fahrzeuge aus den Zwanzigern bis Neunzigern, Motorgeräusche überall, in den Vorkriegsklassikern wird bereits schweißtreibend rangiert, während im hinteren Feld letzte Startnummern aufgeklebt werden. Mittendrin ein rotes Erdbeerkörbchen aus Wolfsburg. Im sommerlichen Golf I Cabriolet von 1986 erwarten uns insgesamt 620 Kilometer schönstes Sachsen mit Ausflug nach Tschechien.

 

197 Teilnehmer plus Serviceteams gehen drei Tage gemeinsam auf Rallyekurs. Entsprechend sind es etwa gespitzte 800 Ohren bei der Fahrerbesprechung, auf der es wichtige Regeln, Tipps und Hinweise vom Veranstalter für drei abenteuerliche Etappen gibt. Vorfreude und Anspannung sind im Saal zu spüren. Zu Recht: Die Sachsen Classic Rallye ist jedes Jahr eine garantiert schöne Veranstaltung, aber definitiv kein Sonntagsspaziergang.

Sachsen Classic 2017: Volkswagen Classic ging mit sieben Fahrzeugen auf Rallye-Kurs

 

Um 12:01 ist es soweit: Alle dreißig Sekunden startet nun in Zwickau ein Fahrzeug von der Startrampe. Nach kurzer Team-Vorstellung wird die Startfahne geschwenkt. Aus dem Cockpit des Golf Cabriolet von 1986 winken wir – der Leiter Volkswagen Classic und die Redakteurin der Volkswagen Classic Website – fröhlich den begeistert Spalier stehenden Zuschauern zu. Dann geht's zur ersten Etappe. Insgesamt sieben Teams schickte Volkswagen Classic in diesem Jahr nach Sachsen. Am Start waren natürlich auch die Kollegen von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer, Audi Tradition, Škoda Classic und Porsche Museum. 

 

Winken, Wertungsprüfungen und Wetterglück

Richtung Chemnitz geht es los, unterwegs warten bereits die ersten Grüppchen am Straßenrand. Ab sofort heißt es: Drei Tage lang winken, winken, winken. Begeisterte Zuschauer und herzliches Winken entlang der gesamten Strecke – ein besonderes Markenzeichen dieser Rallye. "Wir Sachsen sind eben ein Auto-begeistertes Völkchen, seit eh und je", erklärt uns ein Zuschauer. Mit Stolz und einem breiten Lächeln fügt er hinzu: "Automobilbau hat bei uns Tradition: Horch, Audi, Trabant, Volkswagen, Porsche und so. Und wenn ihr hier mit so vielen schönen Fahrzeugen herkommt, fühlen wir uns geehrt und sind natürlich dabei!" 

 

Die Steile Wand von Meerane ist die erste von 20 Wertungsprüfungen und ein traditionelles Highlight der Sachsen Classic. Der Name ist Programm: Eine 248 Meter lange historische Straße mit zwölf Prozent Steigung und eine verschachtelte Prüfung warten auf uns. Innerhalb einer Strecke müssen zwei Abschnitte in einer vorgegebenen Zeit durchfahren werden, mal wird ab Fahrzeugschnauze per Lichtschranke, mal ab Vorderrad per Schlauch gemessen. Es heißt also: Konzentration, das Steuer beziehungsweise die zwei Stoppuhren fest im Griff, inständig hoffend, sie auch auf dem Kopfsteinpflaster noch ablesen zu können. Also los, laut zählen, hoch und durch. 40 Sekunden später doppeltes Aufatmen. Erst jetzt können wir die Fähnchen schwenkende Kindergartengruppe, die neugierigen Autokenner mit Kameras und den Applaus der bunten Zuschauermenge richtig genießen. "Schönes Erdbeerkörbchen!" hören wir zudem.

 

Weitere 19 bekannte und einige geheime Prüfungen werden in den drei Tagen folgen. Ob Runden auf dem Sachsenring, Langstreckenprüfungen oder Rückwärtskurs – so abwechslungsreich wie die Prüfungen und deren Verlauf sind auch die Emotionen im Cockpit, wenn der Ehrgeiz geweckt ist.

 

Konstant gut ist das Wetter während der 15. Sachsen Classic – vor allem für die zahlreichen Cabriolets im Team Volkswagen Classic ein echtes Plus. Zwei offene Einzelstücke sind auch in Sachsen dabei: das Karmann Ghia Typ 34 Cabriolet von 1961 und das Jetta Cabriolet von 1980. Im Prototyp des offenen Jetta kann das Team Volkswagen Sachsen bestens direkten Kontakt zu den Zuschauern aufnehmen. 

 

Sächsisches Heimspiel 

Das gilt auch für das Käfer 1303 Cabriolet von 1979, in dem der ehemalige Volkswagen Vorstand Prof. Dr. Carl H. Hahn quasi ein Heimspiel fährt. Der 92-jährige gebürtige Chemnitzer hat als "Vater" von Volkswagen Sachsen noch immer eine aktive Fangemeinde – Autogramme und persönliche Gespräche allenthalben. Aber auch in den geschlossenen Klassikern, im Golf I GTI von 1978 oder im Passat L Variant von 1974, haben die Teams von Volkswagen Sachsen nicht weniger Spaß. 

 

Rotkäppchen und der Wolfsburger

Autogramme will niemand von uns, aber wir bekommen viel Lob für unser Golf I Cabriolet. "Oh, ein Erdbeerkörbchen!" dringt oft an unsere Ohren, und die Freude auf den Gesichtern der Zuschauer löst ein Dauerlächeln im Cockpit aus. Kurz vor einer Wertungsprüfung sitzt eine ganze Gruppe, gemütlich eingerichtet mit Campingmobiliar, Kaltgetränken und Fähnchen, und feuert uns inbrünstig an: "Rotkäppchen und der Wolfsburger greifen an! Los Erdbeerkörbchen!" Wer kann da nicht grinsen?

 

 

Und so geht es über drei tolle Tage hinweg: Emotionen, Herausforderungen und Ausblicke. Wunderschöne Strecken führen die Teams durch Sachsen, sie genießen dabei Erzgebirge, Elbsandsteingebirge und Oberlausitz, kommen sogar bis nach Tschechien. Kein Teilnehmer, der die Streckenführung nicht lobt. 

 

Geteilte Freude ist doppelter Fahrspaß

An einem Zwischenstopp kommen wir mit einem Damenteam in einem wunderbaren Käfer 1303 LS Cabriolet ins Gespräch. Das Cabrio von 1975 ist in Bestform, der Lack in Bordeaux Metallic ist original und Besitzerin Dorothee Hennings-Holtmann ist mit ihrem "Käferchen" schon zum fünften Mal dabei. "In diesem Jahr ist die Stimmung aber besonders gut, die Strecken sind ausgewogener und es macht zusammen mit dem Wetter einfach riesige Freude. Und die Begeisterung der Sachsen hier ist großartig!" Beifahrerin Annette Krause ist zum zweiten Mal mit dabei. "Das Käfer Cabrio ist mein absolutes Traumauto, schon immer. Und offenbar gefällt es auch anderen sehr. Entlang der Strecke winken und grüßen so viele Leute, freuen sich über den Kleinen – das erhöht den eigenen Fahrspaß enorm!" 

 

Volkswagen als Partner des Kreuzchors Dresden schickt auch erstmals ein Chorteam auf Tour – sie geben im Karmann Ghia Typ 14 Cabriolet von 1958 ihr Rallyedebüt: "Wir sind total begeistert. Mit einem so schönen Cabrio Teilnehmer einer so sympathischen Veranstaltung zu sein, hat uns wirklich beeindruckt. Eine Ehre für den Kreuzchor – und spannend, als Dresdner einmal Sachsen von dieser Seite erleben zu dürfen", resümiert Thomas Reiche. Einen Teil der Strecke lang begleitet Kreuzkantor Roderich Kreile das Team 24 im Karmann Ghia Cabriolet auf dem letzten Abschnitt bis zum Zieleinlauf an der Gläsernen Manufaktur Dresden darf ein Kruzianer die Navigation auf dem Beifahrersitz übernehmen. "Ich find‘s cool, dass ich hier dabei sein darf", freut sich Lukas Neumann. "An unserem Kreuzchor ist das Besondere, dass man in einer Gemeinschaft Spaß haben kann. Und das scheint hier bei der Rallye auch so zu sein." 

 

Der 15-jährige Dresdner Sänger bringt es auf den Punkt – und spricht damit den knapp 400 Teilnehmern der Sachsen Classic 2017 aus dem Herzen.

15. Sachsen Classic 2017
17. bis 19. August 2016, Zwickau–Dresden
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