Forever young

20 Jahre Golf IV

Frankfurt, im September 1997: Es herrscht großes Gedränge am Volkswagen Stand. Alle wollen ihn sehen, den neuen Star aus Wolfsburg. Sein Name ist ein alter Bekannter, die Optik dagegen ein komplettes Novum – und ein wahrer Quantensprung im Vergleich zum Vorgänger. Klar, der Star der Internationalen Automobil-Ausstellung in jenem Jahr ist die vierte Generation des Bestsellers Golf. Kaum zu glauben, dass dies bereits zwei Jahrzehnte her ist. Wir sagen daher: Happy Birthday, Golf IV! Und lassen seine Historie Revue passieren.

Und was vor 20 Jahren so gut ankam, liegt auch heute noch im Trend: Der Golf IV ist auch zwei Jahrzehnte nach seiner Premiere ein nahezu täglicher Anblick im deutschen Straßenbild.

Woran das liegt? Zum einen an seiner zeitlosen Optik, denn das Design des von 1997 bis 2003 gefertigten "Vierers" war ein echter Glücksgriff. Seine sachlich und zugleich elegant gezeichneten Karosserieformen wirken nach wie vor modern. Mit 4,15 Meter Länge, 1,73 Meter Breite und einer Höhe von 1,44 Metern überragte der neue Golf seinen Vorgänger in jeder Dimension, behielt aber gleichzeitig die typischen Golf Proportionen bei, die schon seinen Urahn so erfolgreich gemacht hatten.
 

20 Jahre Golf IV: Modellvarianten, Highlights und Technik

 

Die "Banane" kommt besonders gut zur Geltung

Verantwortlich für die Linienführung der vierten Generation Golf war der damalige Volkswagen Chefdesigner Hartmut Warkuß, der schon den Look des ein Jahr zuvor lancierten Passat B5 geprägt hatte. Beim Golf IV war es vor allem dessen markante C-Säule, deren Form die klassischen Proportionen des Golf I in die damalige Moderne transferierte: "Dieser Schwung, bei uns intern 'Banane' genannt, kommt besonders beim Fugenverlauf des Viertürers gut zur Geltung. Wir haben die Golf Proportionen mit den kurzen Karosserieüberhängen in eine neue Formensprache gegossen", erklärte Warkuß.

 

Umfangreiche Serienausstattung und jede Menge Extras

Zum anderen überzeugte die vierte Golf Generation mit einem deutlichen Qualitätszuwachs. Ein wahres Technik-Feuerwerk hatten die Entwickler abgebrannt. Die Karossiere war vollverzinkt, Volkswagen gewährte satte 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung. Mit einer Serienausstattung in noch nie dagewesenem Umfang ging der neue Golf an den Start: Servolenkung, Antiblockiersystem, vier Scheibenbremsen, Gurtstraffer und vier Airbags waren immer mit an Bord. Drei Ausstattungsvarianten – "Trendline", "Comfortline" und "Highline" – standen zur Wahl. Optional ließ sich der Golf durch etliche Extras veredeln – etwa durch einen Sechsfach-CD-Wechsler, ein Navigationssystem mit Kartendarstellung oder ein D-Netz-Autotelefon, denn 1997 waren Mobiltelefone längst noch nicht Standard.

 

Wer das optionale "Technikpaket" orderte, bekam eine Alarmanlage, eine Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung sowie den äußerst nützlichen Bordcomputer, der den Fahrer über Verbrauch, Uhrzeit, Außentemperatur und weitere Details informierte. Und die edle blaue Instrumentenbeleuchtung, die bereits im 1996 erschienenen Passat debütierte, hatten sowieso alle Golf serienmäßig an Bord. Verglichen mit seinen Vorgängern überzeugte der Golf IV auch innen mit einer völlig neuen Haptik: Softlacke, geschäumte Kunststoffe und hochwertige Stoffe an Sitzen, Himmel und Verkleidungen sorgten dafür, dass der neue Golf zu einem Premium-Kompakten wurde.

 

 

Breit gefächertes Motorenangebot bereits zum Modellstart

Große Vielfalt offerierte auch das Motorenangebot des Golf IV: Zum Modellstart 1997 standen ein neuer, sparsamer Vierventiler mit 1,4 Liter Hubraum und 75 PS als Basisbenziner, der 100 PS starke 1,6-Liter, ein 1,8-Liter mit 125 PS sowie die "heißen" 1,8-Liter-Turbo und der neue Fünfzylinder V5, beide mit 150 PS, zur Verfügung. Bei den Selbstzündern ging es mit dem Saugdiesel SDI (68 PS) los, die Turboversionen arbeiteten mit Pumpe-Düse-Technik und deckten ein Leistungsspektrum von 75 bis 110 PS ab. Im Laufe seiner bis 2003 andauernden Ära wurde die Motorenpalette des Golf IV sukzessive erweitert bzw. die bestehenden Aggregate in puncto Leistung und Verbrauch optimiert.

 

 

GTI, V6 4MOTION, R32: großer Sport

Während die normalen GTI-Varianten der vierten Golf Baureihe nur eine Ausstattungsversion und optisch eher zurückhaltend waren, wurde das 2001 lancierte Jubiläumsmodell "25 Jahre" mit 180 PS starkem Turbomotor, 18-Zoll-Rädern von BBS und tollem GTI-Interieur zu einem begehrten Exoten, der Kultstatus genießt. Auch der auf 204 PS erstarkte 2,8-Liter-V6 war ein Leckerbissen, der den Golf zur schnellen und dennoch luxuriösen Rakete machte. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war natürlich der ab 2002 erhältliche 241 PS starke R32, der mit Allradantrieb, durchzugsstarkem V6 und einem Sound begeisterte, der noch heute seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund erzielen R32 der Golf IV-Reihe auf dem Gebrauchtwagenmarkt Höchstpreise: Es gibt kaum einen anderen Sechszylinder, der mit serienmäßiger Abgasanlage so charakteristisch klingt.

 

 

Golf Variant, Bora, Bora Variant: die Karosseriederivate

Wie bereits das Vorgängermodell Golf III wurde auch die vierte Golf Generation als Kombiversion "Variant" angeboten. Sie war von 1999 bis 2006, drei Jahre nach Produktionsende der Limousine, erhältlich und bot bis zu 1.470 Liter Kofferraumvolumen. Zur Stufenheckversion Bora gab es ebenfalls ein Variant-Modell. Es unterschied sich lediglich durch eine geänderte Frontpartie, war aber höher positioniert als der Golf und wurde auf Wunsch auch mit dem V5- oder V6-Ottomotor sowie dem starken TDI mit 150 PS angeboten, die im Golf Variant nicht verfügbar waren.