"Bestens proportioniert"

Der Volkswagen Jetta: Erfolgsmodell in siebter Generation

"Im neuen Jetta werden ganz besonders die Leute froh werden, die noch richtig Lust aufs Autofahren haben. Schön elegant sieht er aus. Da ist kein Gramm zuviel dran, alles ist bestens proportioniert und aerodynamisch gut ausgefeilt." Die in der zeitgenössischen Verkaufsliteratur beworbenen Qualitäten des 1979er Neuzugangs in der Wolfsburger Modellfamilie versprachen nicht zu viel und überzeugten Millionen Käufer. Der Jetta entwickelte sich über knapp 40 Jahre hinweg zu einer echten – vor allem amerikanischen – Erfolgsgeschichte.

Ursprünglich als Stufenheckvariante des Golf entworfen, wuchs das Modell über die Jahre zu einer eigenständigen Fahrzeugreihe heran. Jetzt präsentierte Volkswagen auf der „North American International Auto Show" (NAIAS), besser bekannt als „Detroit Motorshow", die siebte Generation des Erfolgsmodells.

 

Drei Jahre Überzeugungsarbeit

Bereits Mitte der 1970er-Jahre kreiste die ursprüngliche Idee für das Modell in den Köpfen einiger Entwickler: Sie sahen den großen Bedarf für ein Fahrzeug auf der Basis des Golf, allerdings mit deutlich mehr Kofferraumvolumen. Drei Jahre Überzeugungsarbeit waren notwendig, bis die Ingenieure um den damaligen Volkswagen Entwicklungsvorstand Ernst Fiala schließlich das ‚Ja' des Vorstands bekamen. Nachdem die Entscheidung zugunsten dieses neuen Volkswagen gefallen war, ging es Schlag auf Schlag: Im Juli 1979 wurde der Jetta vorgestellt und bereits im August des gleichen Jahres rollte das erste Fahrzeug vom Fließband. 

 

Vom Insekt zum Starkwind

Anfänglich trug das Projekt noch den Namen "Hummel". Später passte Volkswagen das Modell die Namensgebung allerdings anderen Modellen an und reihte sich damit sozusagen "meteorologisch" ein. Neben Golf, Scirocco und Passat, die alle nach einem Wind benannt sind, hätte eine Hummel keine so passable Figur gemacht. Und so wurde der neue Modellname vom Fachbegriff "Jetstream" abgeleitet, welcher die sogenannten Starkwindbänder in der Erdatmosphäre bezeichnet. Aus dem plüschig-pummeligen Insekt wurde also der aerodynamisch-flotte Jetta.

 

 

Erfolgsmodell seit 1979: Mit 17,5 Mio. Exemplaren ist der Jetta einer der erfolgreichsten Volkswagen aller Zeiten

 
Der Golf Bruder mit Rucksack

Basis für das neue Modell waren Technik und wesentliche Teile des Golf I. Die Karosserie des Spenders wurde bis zur B-Säule übernommen. Die zwei- und viertürig angebotene Limousine unterschied sich vorne durch Rechteck-Scheinwerfer und senkrechte Blinkleuchten vom Golf I. Der Jetta kam ca. 40 Zentimeter länger als sein kleiner Bruder und zudem etwas schwerer einher. Als Fahrzeug für Jedermann, mit dem man "möglichst preiswert, bequem und schnell von A noch B rollen kann", wird der Neue in der Volkswagen Familie im Verkaufsprospekt von 1979 beworben. „Als waschechter Volkswagen ist der neue Jetta natürlich ein völlig unproblematisches, zuverlässiges Auto, mit dem jeder bestens zurechtkommen wird. Er hat die moderne, allseits gelobte Volkswagen Technik und Qualität, einen bequemen Innenraum und einen geradezu verschwenderisch großen Gepäckraum." Sein stattliches Kofferraum-Volumen von immerhin 520 Litern war von Beginn an das große Plus des Jetta. Die markante Heckpartie des Jetta sorgte zudem dafür, dass er vom Volksmund den Spitznamen 'Rucksack-Golf' bekam. Das Konzept überzeugte: Allein die erste Generation wurde 2,3 Millionen Mal gebaut.

 

"Hier darf er schlucken. Und hier schluckt der Jetta viel."

Im Februar 1984 wurde der Jetta der zweiten Generation vorgestellt – ein Jahr nach der Premiere des Golf II, mit dem er von Anfang an gemeinsam entwickelt wurde. Technisch waren beide weiterhin eng verwandt. Der Jetta II präsentierte sich aber wie sein Vorgänger auch wieder mit einem eigenständigen Heck. Seine Innenmaße wuchsen auf eine komfortable Größe, der Kofferraum bot mit 575 Litern ein Volumen im Oberklasse-Format. Ein wesentlicher Aspekt, der auch im Verkausfprospekt von 1984 launig gepriesen wird: "Hier darf er schlucken. Und hier schluckt der Jetta viel. Einmal angenommen, eine Familie hat drei Kinder. Und sie hat große Pläne für eine Ferienreise. Wohin Aber mit dem ganzen Urlaubsgepäck für die lustige Reisegesellschaft zu fünft? Normalerweise bekommt hier die Ferienfreude ihren ersten Dämpfer. Weil die Dame des Hauses etwa auf ihren Kosmetikkoffer und die drei Kleinen auf ihr Schlauchboot verzichten müßten. Beim neuen Jetta keineswegs. Unglaublich, was in seinen geräumigen Gepäckraum alles hineingeht. (...) Was den Gepäckraum angeht, da ist der neue Jetta Weltmeister." Auch die Absatzzahlen waren meisterlich: 2,7 Millionen Exemplare des Jetta II wurden produziert.. 

 

Frischer Wind für den Jetta

Der Viertürer der dritten Generation, die 1992 auf den Markt kam, sollte sich stärker vom Vorgänger absetzen – und startete in den meisten Absatzmärkten unter dem neuen Namen "Vento". Als Inspiration diente hierfür die Bezeichnung eines Windphänomens am Gardasee. Lediglich in Südafrika und Nordamerika wurden weiterhin beide Versionen, zwei- und viertürig, unter dem Namen Jetta verkauft. Angetrieben wurde er von den vorhandenen Golf-Motoren – die Spitzenmotorisierung war der Sechszylinder mit 174 PS (128 kW ). Kombiniert mit einem Kofferraumvolumen von 550 Litern waren Familien damit auch weiterhin für flotte Urlaubsreisen bestens gerüstet. Als Stufenhecklimousine stand der Jetta II-Nachfolger hierzulande stets ein wenig im Schatten des ewigen Bestsellers Golf. Anders in den USA: Dort entwickelte sich das weiterhin "Jetta" genannte Stauraumwunder für Volkswagen zum erfolgreichsten US-Modell aller Zeiten.

 

 

 
Bora als erfolgreichste Serie

Die Karosserie der kompakten Stufenhecklimousine emanzipierte sich im Laufe der Jahre von der des Golf. Mit der vierten Generation hob sich der Jetta optisch noch deutlicher ab. Es gibt nur noch wenige gleiche Blechteile. Ab 1998 wurde er in China und Europa als „Bora", „kalter Nordwind", verkauft. In Südafrika und Nordamerika fuhr er weiter unter dem ursprünglichen Namen. Den Bora gab es zudem auch als Variant. In der Spitze leistete ein Sechs-Zylinder mit 2,8 Litern Hubraum 204 PS (150 kW). Um die Leistung bestmöglich auf die Straße zu bringen, wurden diese Modelle ausschließlich mit Allradantrieb gefertigt. Mit 4,6 Millionen gebauten Exemplaren ist der Bora die bislang erfolgreichste Serie.

 

Back to the roots: Jetta in der fünften Generation

Mit der fünften Generation erfolgte die Rückkehr zu den Wurzeln der sportlichen Kompaktlimousine: In Europa und China durfte sie ab 2005 wieder ihren Geburtsnamen Jetta tragen. Aufgrund des Erfolgs auf dem nordamerikanischen Markt wurde die sechste Generation der Stufenhecklimousine erstmals in den Vereinigten Staaten der Weltöffentlichkeit präsentiert: Im Juni 2010 war sie auf dem Times Square in New York zum ersten Mal zu sehen. Erst danach rollte der im mexikanischen Puebla gefertigte Jetta auf den europäischen Markt. 

 

Die erste eigene Linie: Jetta VI

Ab der sechsten Modell-Generation wurden erstmals gar keine gemeinsamen Blechteile mit dem aktuellen Golf mehr verbaut. Der US-Kassenschlager wurde ab jetzt passend auf die Absatzmärkte zugeschnitten, zu denen inzwischen auch Russland, Indien und China zählten.

 

Erfolgsmodell made in Germany

In Amerika entwickelte sich der Jetta über sechs Generationen zur beliebtesten Limousine deutscher Herkunft. Der Jetta zählt heute– neben Klassikern wie Käfer, Bulli oder Golf – auch weltweit zu den meistverkauften Volkswagen Modellen. Mit 17,5 Mio. Exemplaren ist der Jetta einer der erfolgreichsten Volkswagen aller Zeiten, allein 3,2 Millionen davon wurden bislang in den USA gekauft.

 

Die Evolution des Jetta hält auch in der siebten Stufe eine Weiterentwicklung bereit: Erstmals wird der jüngste Spross der historischen Modellfamilie auf Basis des modularen Querbaukastens (MQB) gefertigt. Der neue Jetta* wurde konsequent für die Bedürfnisse von Kunden in Überseemärkten konzipiert, eine Version für Europa ist nichtgeplant. Ein Schwestermodell des jetzt vorgestellten Jetta wird in China später unter dem Namen Sagitar angeboten.

 

Im Januar 2018 debütierte der neue Jetta auf der Detroit Motorshow. Und er wird die Erfolgsgeschichte seiner Vorgänger fortschreiben. 

 

 

* Jetta – Der Wagen wird nicht in Europa zum Verkauf angeboten und unterliegt daher nicht der Richtlinie 1999/94 EG.