Indian Summer
made in Germany

When an Indo-German team enters Rallye 604 for Volkswagen Classic

"Wir wollen so original wie möglich bleiben, aber besser sein." Georg Memminger spricht diesen Satz mit Überzeugung, während um ihn herum die Funken fliegen, denn in der Spenglerei von "Memminger – Feine Cabrios" wird fleißig geschliffen, geschweißt und gedengelt. Es ist ein Satz, der sich durch die Historie der kleinen, aber feinen Käfer-Schmiede zieht wie ein roter Faden.

Vielen Fans klassischer Volkswagen Modelle wird der Name Memminger ohnehin ein Begriff sein. Längst haben sich die Käfer-Enthusiasten aus Reichertshofen nahe Ingolstadt in der Szene einen Namen gemacht. Und das nicht nur deshalb, weil sich das Vater-Sohn-Gespann Georg und Georg Memminger regelmäßig auf Klassiker-Treffen, Rallyes und sonstigen Events rund um historische Automobile blicken lässt.

 

Die Geschäftsidee und die Produkte sind das Spezielle. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Fachbetrieben werden bei Memminger nämlich keine instand gesetzten Old- und Youngtimer verkauft, sondern neuwertige, komplett restaurierte Fahrzeuge, basierend auf den Käfer-Baureihen 1302/1303 der 1970er-Jahre. Sie behalten ihre Fahrgestellnummer, sehen dem jeweiligen Original oft zum Verwechseln ähnlich, bestehen jedoch größtenteils aus Neuteilen und haben moderne Technik unter dem Blech.

Wo der Käfer noch immer gebaut wird: zu Gast bei "Memminger feine Cabrios"

 
Aus Alt mach Neu

Bei Memminger läuft das so: Kunden geben eine Restauration in Auftrag und lassen in der Regel ein Altfahrzeug da. Wer kein "Rohmaterial" mitbringt, kann alternativ auch ein Modell aus dem vorhandenen Fahrzeugbestand wählen. Dieses wird komplett zerlegt und anschließend über Monate hinweg individuell nach Kundenwunsch neu aufgebaut. Erhalten bleiben dabei nur der Mitteltunnel samt Rahmengabel und von der Karosserie der Windlauf mit A-Säule und Tankauflage. Das Heckteil besteht in der Regel nur aus der Innenkonstruktion, das Verdeckgestänge wird komplett überarbeitet.
Alle Restaurationen werden nach der Herstellervorschrift durchgeführt. Die Vorteile liegen auf der Hand – so bestehen etwa sämtliche Blechteile aus vollverzinktem Stahl, die Türen haben einen integrierten Seitenaufprallschutz, ein modernes Sportfahrwerk schafft Sicherheit und die Motoren verbrauchen weniger Sprit bei deutlich gesteigerter Leistung.

 
Motoren von 50 bis 170 PS

Apropos Motoren: Auch im Heck eines jeden Memminger-Käfers wird selbstverständlich "geboxt" wie eh und je. Drei Grundaggregate stehen hier zur Wahl. Die Grundbedürfnisse deckt der überholte, serienmäßige Typ-1-Motor mit 1,6 Liter Hubraum 50 PS ab. Motorgehäuse und Kurbelwelle entsprechend dem Original, ein Sebring-Auspuff sorgt für sportlichen Sound. Deutlich dynamischer geht die auf 2,3 Liter aufgebohrte Variante mit 100 PS zu Werke, bei der eine moderne Einspritzanlage den Solexvergaser ersetzt. Und für gehobene Ansprüche verbaut man bei Memminger einen Typ-4-Motor, der dank Hubraumerweiterung auf 2,7 Liter und diverser weiterer Optimierungen stattliche 170 PS mobilisiert.

 

Noch größer ist die Vielfalt bei der Wahl einer geeigneten Innenausstattung. Es gibt einen Showroom, in dem man sich anhand verschiedenster Muster entscheiden kann. Lenkräder, Sitzbezüge, Seitenverkleidungen, Persenning – nahezu alles kann hier individuell gestaltet werden. Dazu gibt es für das spätere Traumauto eine Reihe von Zubehörteilen.

Eines ist klar – beim Thema "Originalität" scheiden sich in der Klassik-Szene oft die Geister. Den einen stört's schon, wenn im Brezel-Käfer ein Schalter vom Ovali eingebaut wurde. Andere dagegen haben auch nichts gegen einen Motor mit Einspritztechnik, ein modernes Soundsystem und andere automobile Annehmlichkeiten neueren Datums einzuwenden. Bei Memminger hat man sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden: "Wir wollten keine fahrenden 'Flickenteppiche' anbieten, bei denen nur die kritischen Stellen instand gesetzt wurden und nach ein paar Jahren wieder neue Probleme auftauchen", erklärt Georg Memminger senior. Und ergänzt: "Unsere Fahrzeuge sind schon H-Kennzeichenfähige Oldtimer und sollen mindesten 30 bis 35 Jahre halten." Damit auch der neue alte Käfer irgendwann mal ein Oldtimer werden kann.