Das Zwitterwesen

Coole Käfer im Porträt: Memminger 1303 Cabriolet

Eigentlich ist er neu – und doch ein Oldtimer. Unser erstes Modell der Serie „Coole Käfer" ist gewissermaßen ein Zwitter. Das Memminger-Cabriolet auf Basis des 1303 aus den 1970er-Jahren ist ein heißer Kandidat für Cabrio-Fans, die Wert auf klassische Optik legen, dabei aber auch sportliche Fahrleistungen und moderne Technik zu schätzen wissen.

Ein kurzer Dreh am Zündschlüssel, und schon schnattert es aus dem Heck munter drauflos. Einfach herrlich: Es ist dieser typische Boxersound, für den Besitzer luftgekühlter Volkswagen ihre Schätzchen lieben. Beim Memminger-Cabriolet, Probe gefahren von der Volkswagen Classic Redaktion, klingt der Tenor vielleicht etwas "bassiger" als beim originalen Aggregat des 1303.

 

Zu Besuch bei Memminger: So entstehen die Käfer-Neuwagen

Den ersten Gang einlegen, Kupplung kommen lassen, ein kurzer Tritt aufs Gaspedal und ab geht der Käfer-Express ohne Dach über dem Kopf. Schon nach wenigen Metern offenbart sich die Philosophie hinter dem Memminger-Konzept: Aus alt mach neu – dieser Käfer sieht zwar optisch aus wie ein Original aus den 1970er-Jahren, fährt sich aber wie ein modernes Auto. Fahrleistung, Kurvenlage und Bremsverhalten unterscheiden sich nur unwesentlich von denen heutiger Fahrzeuge. Kaum zu glauben, dass man hier in einem "Klassiker" unterwegs ist.

 

Klassik trifft Moderne: das Memminger 1303 Cabriolet im Fahrbericht

 

Memminger-Käfer haben Sonderstellung in der Szene

Wie das funktioniert? Dazu sei gesagt, dass die Memminger-Fahrzeuge, allesamt basierend auf Volkswagen Käfer-Modellen der Baureihen 1302/1303, innerhalb der Klassiker-Szene eine Sonderstellung einnehmen. Wer bei der kleinen Käfer-Schmiede aus dem bayrischen Reichertshofen ein Fahrzeug bestellt, bekommt einen Neuwagen mit H-Zulassung. In der Praxis läuft das so: Kunden geben ein Altfahrzeug als "Rohmaterial" ab, welches dann im Anschluss ganz individuell neu aufgebaut wird. Erhalten bleiben dabei in aller Regel nur der Mitteltunnel samt Rahmengabel und von der Karosserie der Windlauf, die A-Säulen und die Tankauflage. Das reicht dem TÜV fürs H-Kennzeichen. Übrigens: Erhalten bleiben auch die Plaketten mitsamt der originalen Fahrgestellnummer.

 

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Der Rest kommt neu. Blechteile aus vollverzinktem Stahl, Türen mit Seitenaufprallschutz, ein modernes Sportfahrwerk, damit der neue alte Klassiker satter auf der Fahrbahn liegt. "Wir wollen so original wie möglich bleiben, aber besser sein", so das Credo von Käfer-Guru Georg Memminger, der die Geschäftsidee Ende der 1990er-Jahre entwickelte und das Unternehmen heute gemeinsam mit Sohn Schorsch leitet. Und was spielt sich im Heck ab? Da wird natürlich "geboxt" wie eh und je, aber die Motoren sind mit den originalen Aggregaten kaum vergleichbar. Drei verschiedene Leistungsstufen bietet Memminger hier an: Die Grundbedürfnisse deckt der 50 PS starke, überholte Typ-1-Motor ab. Hier entsprechen Motorgehäuse und Kurbelwelle dem Original.

 

 

Sattes Drehmoment aus 2,3 Litern Hubraum

Das von uns Probe gefahrene 1303 Cabriolet im klassischen Farbton Hellelfenbein hat die stärkere, auf 2,3 Liter Hubraum aufgebohrte Leistungsstufe mit 100 PS an Bord. Die geht natürlich deutlich dynamischer zu Werke als das Einstiegsmodell und erfüllt im Prinzip alle Ansprüche. Der Solexvergaser wurde hier durch eine gemeinsam mit der Firma Bosch entwickelte Multipoint-Einspritzanlage ersetzt. Das verbessert die Performance, spart Sprit und sorgt für weniger Probleme im Winter. Aus 2,3 Litern schüttelt der Boxer knapp 200 Newtonmeter, bereits bei 2.600 Touren surft man entspannt auf der maximalen Drehmomentwelle. Niedertouriges Fahren ist also kein Problem, ebenso wenig wie schnelle Zwischenspurts. Und wer sich ordentlich die Frisur durchpusten lassen möchte, kann auch mit Tempo 160 über die Autobahn fliegen.

Noch mehr Power liefert der auf 2,7 Liter aufgebohrte Typ-4-Motor, dessen Basis das 2,0-Liter-Aggregat aus Bus T2 und VW-Porsche 914/4 bildet. 170 PS und 270 Newtonmeter im Käfer – da bleiben kaum Wünsche offen. Und auf Wunsch verbaut Memminger hier eine "scharfe" Nockenwelle, die dem Boxer bis zu 210 PS entlockt.

Unser Fazit: Klassische Optik gepaart mit moderner Technik – diese Kombination hat durchaus ihre Reize. Käfer-Fans, die sportliches Fahrverhalten und satte Power schätzen, werden mit einem solchen "Zwitterwesen" durchaus ihren Spaß haben. Wer dagegen auf absolute Originalität steht, wird nur mit einem "echten" alten Käfer glücklich werden.